Leben und Training der Pferde

Vergnügen – Fehlanzeige!

Wissenschaftler beschreiben bei allen höher entwickelten Tieren das Bedürfnis nach Lust und Unlust. Pferde sollten auch selbst entscheiden können, ob sie einfach nur Spaß haben wollen oder auch in Ruhe gelassen werden möchten. Sie teilen uns ihre Gefühle und Wünsche auf ihre Art mit, wenn sie zum Beispiel auf der Weide vor dem Besitzer weglaufen. Wird dieses Verhalten häufiger beobachtet, so überwiegt wahrscheinlich die Unlust über den Kontakt mit dem Menschen, die letztlich noch verstärkt wird, wenn wir sie zwingen trotzdem mit uns zusammenzuarbeiten. Stattdessen sollte man auch mal akzeptieren können, dass unser Pferd einen anderen Plan für den Nachmittag hat und dass der Mensch sich bemühen sollte, es zu überzeugen. Das lernen wir im Kontakt mit anderen Menschen schon als kleine Kinder. Es macht keinen Spaß mit jemanden zu spielen, der keine Lust hat. Warum sollte das bei den Pferden anders sein?
Wirkliches Vergnügen ist im Leben vieler Pferde äußerst selten. Natürlich werden die meisten Pferde gefüttert, gehätschelt und ihre Ställe gesäubert, aber viel zu wenige Pferde können sich so bewegen wie sie es möchten oder erleben wirklich schöne Stunden. Das Leben besteht häufig aus Isolation, einem Einheitsbrei und körperlicher Ertüchtigung, deren Sinn dem Pferd verschlossen bleibt. Wenn wir uns nur etwas bemühen, ist es ganz leicht, durch eine naturnahe Haltung, angenehme Berührungen, besondere Geschmackserlebnisse und vor allem durch ein kreatives Training, ein erfüllteres Leben zu schaffen.
Es ist eine philosophische Frage, ob das Pferd eine Vorstellung von seinem Selbst haben kann. Aber es strebt ebenfalls auch danach, innerlich zu wachsen und kreativ zu sein, eigene Entscheidungen treffen zu können. Haben Sie schon mal Pferde gesehen, die freiwillig gelernt haben, ein Podest zu erklimmen? In Ihren Gesichtern sehen wir Stolz und Freude. Sie genießen die Rundumsicht und scheinen nicht nur äußerlich „gewachsen“ zu sein. Sie empfinden offensichtlich Sicherheit und Glück, wenn sie einfach ausprobieren dürfen, wozu sie in der Lage sind.

LG,

Marlitt

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