Kommen auf Ruf

Der Traum aller Pferdebesitzer

Wer hat nicht schon mal davon geträumt: Wir kommen auf die Weide, pfeifen kurz und unser Pferd kommt wiehernd auf uns zugaloppiert. Soweit der Traum - die Realität sieht oft genug ganz anders aus. viele von uns sind froh, wenn das Pferd wenigstens nicht wegläuft, wenn sie es holen wollen. doch muss der Traum vom Kommen auf Ruf ein Traum bleiben, denn lässt es sich trainieren. Wie vieles im Pferdeleben: Das Pferd kann es lernen auf ein Signal hin zu uns zu kommen.

Alles was wir brauchen, ist ein Trainingsplan, Belohnungen und etwas Geduld!

Das Rufen – 6 Grundregeln

1. Kommen auf Ruf ist toll!Damit das Pferd auch aus ablenkungsreichen oder stressigen Situationen gut abrufbar ist, muss man ihm das Kommen so schmackhaft wie möglich machen (Belohnung!).

2. Ein Pferd, das kommt, ist immer ein braves Pferd!Wenn das Pferd zu Ihnen kommt, darf es auf keinen Fall bestraft oder ausgeschimpft werden, ganz egal, was vorher gewesen ist, sonst gewöhnt man dem Pferd das Kommen ganz schnell wieder ab.

3. Kommen auf Ruf bedeutet nicht das Ende von Spaß und Freiheit! Man sollte das Pferd nicht jedes Mal, wenn es gekommen ist, ans Halfter nehmen und von der Weide führen. Auch zwischendurch mal rufen, und danach wieder in die Freiheit entlassen oder einen Moment am Strick weiter grasen lassen.

4. Das Pferd muss das Signal kennen, auf das es hören soll!Damit das Pferd versteht, dass es auf Rufen oder Pfiff kommen soll, muss man es ihm erst beibringen. Und wenn es das verstanden hat: immer das gleiche Signal verwenden!

5. Das Signal darf nicht zur Dauerberieselung werden!Das Signal sollte immer nur einmal gegeben werden, damit das Pferd lernt, auf das Signal schon beim ersten Mal zu hören. In der Anfangsphase: nicht rufen, wenn man ohnehin keine Aussicht auf Erfolg hat (erster Tag im Gras, Pferd hat Kraftfutter…)!

6. Ablenkung langsam steigern!Zunächst in ablenkungsarmer Umgebung üben, dann schrittweise mehr Ablenkung einbauen, also z.B. zuerst im Sandpaddock allein, später auf der Weide in der Herde.

Kommen auf Ruf trainieren – Schritt für Schritt

1.    Schritt: Vergegenwärtigen Sie sich die 6 Grundregeln zum Kommen auf Ruf.

2.    Schritt: Finden Sie heraus, was das beste Lockmittel für Ihr Pferd ist (z.B. in die Hocke gehen, in die Hände klatschen, rascheln mit einer Tüte etc.).

3.    Schritt: Üben Sie jetzt das Heranlocken, und zwar in einer Umgebung mit möglichst wenig Ablenkung für das Pferd (z.B. auf dem Reitplatz, im Sandpaddock). Benutzen Sie noch kein Signal zum Rufen, sondern locken Sie Ihr Pferd nur. Locken Sie das Pferd zu sich, und wenn es kommt, clicken Sie und belohnen es mit einem guten Leckerchen, ab und zu einem besonders begehrten. Das Locken üben Sie solange, bis es zuverlässig in ablenkungsarmer Umgebung funktioniert. Dann gehen Sie zum 4. Schritt über.

4.    Schritt: Jetzt wird das Signal eingeführt, für das man sich für das Heranrufen entschieden hat (z.B. „Hier“). Man übt immer noch in ablenkungsarmer Umgebung. Das Signal („Hier“) wird nun immer kurz vor dem Locken gegeben (ca. 1 Sekunde davor) . Es ist ganz wichtig, dass das Signal vor dem Locken kommt und nicht danach. Ansonsten bleibt der Ablauf wie oben. Sie gehen also nach dieser Reifenfolge vor:„Hier“ - Locken  - (Pferd kommt) -  Click & Belohnung

Der 4. Schritt muss nun so häufig wiederholt werden, bis das Pferd schon auf Ihr „Hier“-Signal hin kommt. Um herauszufinden, wann es soweit ist, machen Sie zwischendurch den Test, indem Sie die Zeitspanne zwischen dem „Hier“ und dem Locken etwas verlängern. Kommt das Pferd schon nach dem „Hier“, können Sie zum 5. Schritt übergehen. Wenn nicht,  üben Sie weiter mit dem Locken.

5.    Schritt: Wenn das Pferd schon nach dem „Hier“ zu Ihnen läuft, können Sie das Locken weglassen. Es hat nun verstanden, dass das Signal „Hier“ für es heißt, dass es zu Ihnen kommen soll.Jetzt können Sie schrittweise die Ablenkung erhöhen. Üben Sie das Heranrufen jetzt auch z.B. auf der Weide. Das leckere Gras dort ist zunächst Ablenkung genug.

Wichtig: Gehen Sie bei neuen Umgebungen langsam vor! Pferde lernen sehr stark umgebungsabhängig. Es kann sein, dass das Pferd das Signal in einer neuen Umgebung erst mal nicht mehr versteht. Dann heißt es sozusagen zurück in den Kindergarten: Sie gehen zum 4. Schritt zurück und setzen kurzfristig das Locken wieder ein. Das Pferd wird dann sehr schnell verstehen, und Sie können das Locken bald wieder weglassen.Steigern Sie nun langsam die Ablenkung immer mehr, aber langsam! Sollte das Pferd irgendwann mal nicht mehr so gut hören, gehen Sie einen Schritt zurück und üben Sie unter weniger Ablenkung, bis das Pferd wieder zuverlässig kommt.

Viel Spaß beim Üben!

LG, Marlitt

2 Kommentar(e)

  1. Den Artikel hab ich erst jetzt entdeckt..
    Wenn ich in der Nähe bin kommt mein Pferd von ganz alleine, es könnte ja sein, dass Frauchen irgendtetwas tolles mit ihm vorhat. Und wenn ich ihn rufe lässt er sogar seine Spielkameraden stehen und kommt so schnell er kann.
    Das ist ein bischen so wie früher inder Serie “Fury” und es ist immer wieder toll!

    Einziger Haken: Wenn ich mit ihm grasen gehe und seine Aufmerksamkeit möchte, dann kann ich lange rufen..

    Lg Ati

    Ati | Apr 14, 2010 | antworten

  2. Hallo Ati,
    naja ein bischen Spaß muss ja schließlich auch sein;) Aber es ist doch total toll, wenn er so aufmerksam angelaufen kommt. Da habt Ihr bestimmt eine tolle, tiefe Beziehung zueinander.
    LG,
    Marlitt

    Marlitt | Apr 21, 2010 | antworten

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