Medical Training

Damit der Tierarztbesuch und seine Behandlungen keinen Stress mehr bedeuten

Mit Clickertraining kann man viel mehr erreichen als nur hübsche Tricks einstudieren – es wird inzwischen weltweit zum Training von Wildtieren im Zoo eingesetzt. Da lernen Krokodile hinter einem Stab, einem sogenannten Target-Stick, her in ein anderes Gehege zu gehen, Elefanten ihren Fuß zur Pediküre auf einen Hocker zu stellen oder Kamele sich Blut abnehmen zu lassen. Das alles ohne Gewalt und ohne den Einsatz eines Narkosemittels, einfach durch systematisches Tiertraining. Das kann auch unseren Pferden zugute kommen, denn bei wie vielen Pferden lässt sich nicht die Temperatur messen oder ein Hufverband anlegen, ohne sie mit einer Nasenbremse zu halten oder auch sie sedieren zu müssen?

Wichtig beim Medical Training ist es Schritt fĂĽr Schritt vorzugehen:

  1. Das Pferd lernt die Bedeutung des Clickers kennen und erfährt, wofür es sich Belohnungen verdienen kann.
  2. Das Pferd wird in das Target-Training eingefĂĽhrt und lernt beispielsweise am Anbindebalken ruhig zu stehen.
  3. Nun werden in mehreren Unterrichtseinheiten verschiedene typische tierärztliche Behandlungen kleinschrittig imitiert und geübt. Wollen wir beispielsweise das Maul gewaltlos öffnen, damit später der Tierarzt die Schleimhäute überprüfen kann, so können wir zunächst jedes kurze berühren des Mauls clicken. Dabei achten wir darauf, dass das Pferd das Maul still hält. Nach und nach tasten wir uns an die Lippen vor und schieben diese leicht nach oben. Wir clicken natürlich weiter jede kleine ungewohnte Veränderung des Pferdemauls, um unserem „Patienten“ diese merkwürdigen Berührungen so schmackhaft wie möglich zu machen. Ziel unseres Trainings ist es, dass das Pferd sich die Zähne und Schleimhäute widerstandslos begutachten lässt.
  4. Wir machen uns eine Liste mit wichtigen, routinemäßigen Vorgehensweisen, die wir üben wollen und trainieren diese nacheinander. Dazu können gehören:
  • Fiebermessen, ohne dass wir den Schweif hochreiĂźen mĂĽssen und Gefahr laufen vom Pferd getreten zu werden.
  • Eingabe von Spritzen ins Maul
  • Spritzen, die in den Hals oder in die Brust gegeben werden
  • Verbände um die Beine oder die Hufe
  • Das Ă–ffnen der Augen zur einfachen Gabe von Augentropfen
  • Die BerĂĽhrung am ganzen Körper
  • Das Abhören von Darm und Lunge
  • Das Stellen der Hufe in einen Wassereimer

Je mehr Tätigkeiten des Tierarztes das Pferd kennt und als gewohnt und angenehm einstuft, desto gelassener können wir dem nächsten Tierarztbesuch entgegensehen.

LG,
Marlitt

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