Gl├╝ckliche Pferde

Was macht das Pferd gl├╝cklich?

Ganz allgemein m├Âchte ich vorweg sagen, dass der Gl├╝cksbegriff ja sehr schwierig greifbar ist, da es sich beim Gl├╝ck um einen extrem vielschichtigen Zustand handelt, der vielleicht sogar von jedem von uns etwas anders definiert wird. Aus meiner Sicht umschlie├čt das Gl├╝cksgef├╝hl sowohl das zufriedene Gef├╝hl der emotionalen Ausgeglichenheit, die spontane Freude als auch die berauschende Euphorie. Biologisch gesehen ist das Gl├╝ck sowohl beim Menschen als auch beim Pferd eine Folge unterschiedlicher Mechanismen im Gehirn, der Aussch├╝ttung von Endorphinen, Oxytocin und das Zusammenspiel der Neurotransmitter Serotonin und Dopamin mit anderen Botenstoffen im Gehirn.

Pferde dr├╝cken ihre Emotionen k├Ârpersprachlich aus. Definiert man ÔÇ×gl├╝cklichÔÇť als freudig oder zufrieden, so erkennt man ein gl├╝ckliches Pferd an eben diesen Merkmalen der K├Ârpersprache und Mimik. Freudige Pferde zeigen etwa ein gl├╝ckliches ÔÇ×SpielgesichtÔÇť, sie l├Ącheln quasi, indem sie mit weichem, wachen Blick ihre Umwelt betrachten, die Lippen und N├╝stern entspannen und die Ohren aufmerksam aufstellen oder bewegen. Dabei verl├Ąngern sie ihre Oberlippe je nach Erregungsgrad wie einen R├╝ssel nach vorn. Die gesamte K├Ârperhaltung ist entspannt, der Schweif wird getragen und die Bewegungen erscheinen sehr flie├čend. Sicher ist auch ein d├Âsendes Pferd gl├╝cklich, wenn es zufrieden ruht. Pferde lassen in diesem Zustand den Kopf etwas sinken, stehen mit h├Ąufig abgestelltem Hinterbein und erscheinen in ihrer Muskulatur sehr weich. Der Blick wirkt nach innen gerichtet oder die Augen sind geschlossen, w├Ąhrend die Unterlippe schlaff herunter h├Ąngt.

Pferde sind zun├Ąchst einmal zufrieden, wenn ihre nat├╝rlichen Bed├╝rfnisse gestillt werden, sie ben├Âtigen f├╝r ihr Gl├╝ck die Gesellschaft anderer, mit denen sie eine stabile ├╝ber einen langen Zeitraum konstante Gemeinschaft bilden k├Ânnen und in der Herde wirklich Tag und Nacht zusammenleben. Dabei ben├Âtigen Pferde Freunde, da deren K├Ârperkontakt und die gegenseitige Fellpflege, das gemeinsame Grasen und Ruhen sie beruhigt. Nat├╝rlich brauchen Pferde an ihre k├Ârperlichen Konstitution angepasstes Futter, da die Futteraufnahme f├╝r das Pferd von entscheidender Bedeutung ist. Auch der ausreichende Platz f├╝r eine freie Bewegung sollte f├╝r das Bewegungstier Pferd vorhanden sein.
Neben der Befriedigung der Grundbed├╝rfnisse der Tierart Pferd macht ein Pferd ebenso wie den Menschen die emotionale Ansprache psychischer Bed├╝rfnisse gl├╝cklich, sie ben├Âtigen K├Ârperkontakt, das Gef├╝hl sicher und aufgehoben zu sein, die Gewissheit, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben f├╝hren zu k├Ânnen und ihre individuellen St├Ąrken ausleben zu k├Ânnen und ihre Intelligenz und Kreativit├Ąt entwickeln zu d├╝rfen.

Pferdegerechte Haltung f├╝r gl├╝ckliche Pferde
Die beste Haltungsform f├╝r gl├╝ckliche Pferde orientiert sich stets an der nat├╝rlichen Lebensweise ihrer wilden Vorfahren, also eine Gruppenhaltung auf m├Âglichst gro├čem Terrain. Je weiter man sich von dem von der Natur f├╝r das Pferd bestimmten Lebensraum entfernt, desto wahrscheinlicher werden neben gesundheitlichen Einschr├Ąnkungen auch Depressionen, Stereotypien oder Verhaltensst├Ârungen. Bei St├Ârung des Wohlbefindens des Pferdes, sollte prim├Ąr die Haltungsform genau bewertet und entsprechend verbessert werden. In der Wissenschaft wird diese Bereicherung eines k├╝nstlich f├╝r die Tierhaltung geschaffenen Lebensraum Enrichment-Ma├čnahmen genannt. Solche Ma├čnahmen w├Ąren etwa die Vergr├Â├čerung und Ausgestaltung des Paddock- oder Weidebereiches, zum Beispiel durch das Aufsch├╝tten von Sandh├╝geln als Ausblick oder durch das Aufstellen von Baumst├Ąmmen als Kratzgelegenheit oder die Orientierung an Offenstallsystemen wie etwa des Paddock-Paradises oder der Aktivstall-Idee.

Liebevoller Umgang
Pferdegerecht ist unser Umgang mit den Tieren immer dann, wenn wir in unseren Handlungen f├╝r sie vorhersehbar sind. Das bedeutet, dass wir uns im Vorfeld Gedanken ├╝ber unsere eigenen Ziele und W├╝nsche machen sollten, um diese dann im Training zu verfolgen. Eine motivierende Umgangs- und Trainingsform besteht in der Methode der positiven Verst├Ąrkung, also des Belohnungslernens. Pferde lernen leicht und gerne, wenn sie keine Angst haben m├╝ssen und frei von Druck und Strafandrohungen lernen k├Ânnen. F├╝r unseren Umgang ist es also wichtig, auch mal aus Reitertraditionen auszubrechen und nach einer positiven Lernalternative zu suchen. Beispiel einer gewaltfreien Ausbildungsmethode auf Basis der positiven Verst├Ąrkung ist das Clickertraining.
F├╝r das Pferd ist auch die liebevolle Zuwendung durch den Menschen immens wichtig. Ber├╝hrungen sollten dem Pferd gefallen, manche Pferde lieben eher leichte Streicheleinheiten, andere ein kr├Ąftiges Kraulen,. Diese Lieblingskraulstellen zu entdecken und dem Pferd genussvollen K├Ârperkontakt zu schenken beeinflusst das Gl├╝cksempfinden positiv.

Reiten im Einklang mit unserem Pferd
Beim Reiten ist das Pferd immer dann gl├╝cklich, wenn es seine Aufgabe ├╝ber positive Verst├Ąrkung erlernt hat und weder ├╝ber- noch unterfordert wird. Auch die Abwechslung spielt aus meiner Sicht eine gro├če Rolle. Gerade auch die Erkundung der Umgebung auf Ausritten kann den Erlebnishorizont des Pferdes sehr erweitern und tr├Ągt zum Gl├╝ck des Tieres bei.

Die innere Einstellung zum Pferd
Der f├╝r mich wichtigste Punkt f├╝r eine gl├╝ckliche Beziehung zwischen Pferd und Mensch liegt jedoch in der Einstellung des Menschen. Nur wer seinem Pferd wirklich emotional zugeneigt ist und es in seiner Einzigartigkeit wahrnehmen kann, wird diese Zuneigung auch vermitteln k├Ânnen. Das Gl├╝ck des Pferdes ist insofern auch davon abh├Ąngig in wie weit wir es schaffen, unser Pferd vorbehaltlos zu lieben und es in seinen St├Ąrken und Schw├Ąchen wahrzunehmen. Ein Pferd braucht wie wir Menschen das Gef├╝hl wirklich wahrgenommen zu werden und nicht nur an seinen Leistungen oder seiner Sch├Ânheit gemessen zu werden. Das Gl├╝ck von beiden Seiten entsteht einfach dort, wo keiner eigene Erwartungen auf den anderen ├╝bertr├Ągt, sondern an einem echten Miteinander interessiert ist.

LG,

Marlitt

6 Kommentar(e)

  1. ich habe vor 5 jahren ein Fohlen (Kaltblut-Mix) vom Schlachter freigekauft, Mogli sollte zu Fohlenfleisch verarbeitet werden. Niemand glaubt, dass wir eine ganz besondere Beziehung haben. Alle gehen auf die Weide und holen ihre Pferde mit einem Halfter. Ich rufe Mogli und er kommt zu mir. Mogli l├Ąsst sich nicht von Fremden ein Halfter anlegen, bei mir immer ohne Probleme.
    Danke Marlitt, ich werde nur bel├Ąchelt, weil ich mit ihm spiele und schmuse.
    Das was du beschreibst hilft hoffentlich, das noch viele “Pferdefreunde” erkennen, das es kein Sportger├Ąt ist, sondern ein Lebewesen mit Gef├╝hlen und ├ängsten.
    Du hast mir durch deine B├╝cher gezeigt, dass ich den richtigen Weg gehe und gegangen bin. Ich hatte wirklich schon angefangen, mich zu Fragen, ob mein Weg richtig ist.

    Birgit | Jun 23, 2011 | antworten

  2. Das sehe ich ganz genauso. Viele Reiter haben ja keine wirkliche Beziehung zu ihrem Pferd, sondern betrachten es als Sportger├Ąt. Ich bin auch immer nur bel├Ąchelt worden von eben diesen Reitern. Mein Pferd geh├Ârt seit 14 Jahren zur Familie und das merkt man ihr auch an.

    ute | Jun 28, 2011 | antworten

  3. Hallo Birgit, hallo Ute,

    vielen Dank f├╝r Eure Erfahrungen. Sch├Ân, dass immer mehr Menschen auf dem Weg sind, anders mit Pferden umzugehen.
    LG,
    Marlitt

    Marlitt | Jun 29, 2011 | antworten

  4. qenau dass saqe ich zu allen , ein pferd is kein sportqer├Ąt . niemand h├Ârt mir zu alle saqen das es ihren pferden qut qeht maq ja sein aber die blicke einiqer pefrde verraten echt wqas anderes
    LG antonia 13 jahre

    Antonia | Jul 11, 2011 | antworten

  5. Liebe Antonia,

    oh, ja ein Blick in die Augen der Pferde verr├Ąt so einiges. Hoffen wir mal, dass mehr Menschen bereit sind hinzusehen.
    LG,
    Marlitt

    Marlitt | Jul 20, 2011 | antworten

  6. Es gibt f├╝r mich nichts Sch├Âneres als Pferde gl├╝cklich zu sehen. Meine Stute und ich haben das Gl├╝ck gehabt einen Stall zu finden, indem sie mit anderen Pferden Tag und Nacht zusammenlebt und ihren Tagesablauf selbst bestimmen kann. Man lernt dadurch sehr viel ├╝ber Pferde und Pferdeverhalten und erf├Ąhrt immer mehr ├╝ber das eigene Pferd.Seit dem wir dort sind, habe ich nicht mehr in traurige Pferdeaugen sehen m├╝ssen. Ich finde es ganz schlimm wie selbsverst├Ąndlich grausam manche Menschen mit ihren Pferden umgehen und wie wenig sie bereit sind auf die Bed├╝rfnisse ihres Tieres einzugehen. Umso mehr freue ich mich, wenn man auf Menschen trifft,die in der Lage sind die Bed├╝rfnisse ihres Pferdes zu erkennen und ihnen gerecht zu werden. Meiner Meinung nach ist das viel mehr Wert als der erste Platz auf dem Turnier!

    LG

    Pea

    Pea | Apr 3, 2013 | antworten

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