Pferdeerziehung darf auch Spa├č machen!

Gemeinsam unterwegs auf dem Lernweg

Jedes Pferd in menschlicher Obhut braucht ein Minimum an Erziehung, da es von der Natur nicht f├╝r unsere moderne Welt und ein Leben als Haustier geschaffen wurde. Es kennt die Gefahren im Stra├čenverkehr ebenso wenig wie die Anspr├╝che des Menschen in bezug auf h├Âfliche Umgangsformen und muss daher schrittweise lernen sich in unserer Welt zurechtzufinden. Die vielen Regeln und erw├╝nschten Fertigkeiten im Zusammenleben mit dem Menschen lernt das Pferd aber nicht so nebenbei, sondern es erfordert eine zielgerichtete Ausbildung und eine strukturierte Planung des anvisierten Lernweges. Selbstverst├Ąndlich bedeutet das aber auch f├╝r den Zweibeiner, dass wir kritisch unsere eigenen F├Ąhigkeiten betrachten, wir respektvoll mit unserem Sch├╝ler umgehen und unsere Anforderungen nur behutsam steigern.
Je nach den individuellen Anspr├╝chen des Besitzers braucht jedes Pferd sicher unterschiedlich viel Erziehung und besitzt sein ganz eigenes Ausbildungsziel. Die Basis in der Beziehung des Pferd-Mensch-Teams bildet immer das grundlegende Vertrauen zueinander, das Verinnerlichen der allt├Ąglichen Abl├Ąufe in der gew├Ąhlten Haltungsform, das stressfreie Aufhalftern und F├╝hren, eine vertrauensvolle Entspanntheit bei der Hufbearbeitung und ganz besonders die F├Ąhigkeit, sich ├╝berall ber├╝hren zu lassen um auch einer tier├Ąrztliche Behandlung den Schrecken zu nehmen. Diese Grundfertigkeiten sollten wir mit jedem Pferd ausgiebig ein├╝ben und somit m├Âglichen Stresserlebnissen in unserem Alltag vorbeugen. Wir k├Ânnen so die Basis f├╝r eine harmonische Beziehung zu unserem Pferd legen, wenn wir uns bei den angestrebten Ausbildungszielen immer an dem empfundenen Wohlbefinden unseres Sch├╝tzlings orientieren.

Die Individualit├Ąt des Lernens
Darauf aufbauende Aspekte, wie Gelassenheit bei unbekannten Au├čenreizen, Sicherheit im Stra├čenverkehr, die M├Âglichkeit zu gemeinsamen Spazierg├Ąngen und das Erlernen der ersten einfachen Elemente der Bodenarbeit bilden die n├Ąchste Erziehungsstufe. Erst dann folgt die eigentliche Ausbildung, welche je nach den Talenten des Pferdes und den Vorlieben des Menschen f├╝r eine spezielle Disziplin, die Grundausbildung des Reit-┬á oder Fahrpferdes f├╝r die n├Ąchsten Jahre bestimmen wird.
Jedes Individuum besitzt verborgenene Talente, die in ihm schlummern oder aber auch Unzul├Ąnglichkeiten, welche manchmal den Ausbildungsprozess verlangsamen. Was dann dem einen Pferd leichter f├Ąllt, kann bei einem anderen eine Erziehungsarbeit von mehreren Wochen bedeuten und gerade diese Verschiedenheit zeichnet die unterschiedlichen Pferdepers├Ânlichkeiten erst aus.┬á Die Schwerpunktthemen k├Ânnen wir daher auch nicht einfach zu Beginn unserer Arbeit festlegen, sondern werden erst nach und nach erfahren auf welche Teilbereiche wir unseren Fokus legen m├╝ssen. W├Ąhrend das eine Tier eher schreckhaft ist und man vermutlich viel Aufmerksamkeit in die allgemeine Gelassenheit investieren sollte, wird etwa bei einigen robusteren Naturen vielleicht mehr Erziehung in Hinblick auf die punktgenaue Antwort auf unsere Signale vonn├Âten sein. Geduld und Einf├╝hlungsverm├Âgen sind unsere wichtigsten Accessoires, wenn wir unser Pferd zu einem selbstst├Ąndig denkenden Person ausbilden m├Âchten.
Eine gewaltfreie Erziehung hat deshalb auch weder beim Menschen noch beim Pferd etwas mit dem leider immer noch weitverbreiteten Dominanzgebaren zu tun, sondern richtet sich lediglich an den Mechanismen des Lernverhaltens aus. Wir S├Ąugetiere lernen aus den Folgen unseres eigenen Verhaltens, wir wiederholen das was sich f├╝r uns gelohnt hat und meiden in Zukunft das was sich nicht gelohnt hat.
Pferde verinnerlichen Lerninhalte mit Lob besonders nachhaltig und so k├Ânnen wir unsere Ausbildungsziele mit punktgenauen Belohnungen gewaltfrei an unsere vierbeinigen Sch├╝ler kommunizieren. Dazu m├╝ssen wir die Belohnungen sofort in dem Moment ├╝berreichen, wenn das Pferd das von uns erw├╝nschte Verhalten zeigt. Eine Belohnung hat nur dann ihren kostbaren Wert f├╝r den Lernerfolg wenn sie auch vom Pferd als solche empfunden wird. Dies herauszufinden mit welchen kleinen Geschenken oder mit welcher Art der Zuwendung wir “Erziehungsberechtigten” das Pferd motivieren k├Ânnen bleibt unsere lebenslange Herausforderung.

LG,
Marlitt

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