Gut ausgebildete Clickerpferde?

Woran liegt es, dass man so wenig Clicker-Pferde sieht, die wirklich ihre Lektionen beherrschen?

Clickertraining ist in seinen Feinheiten nicht einfach zu erlernen, weder f├╝r das Pferd noch f├╝r den Menschen. Es gibt sehr viele Details deren Tragweite und Wichtigkeit sich dem Menschen oft erst nach einigen Monaten oder Jahren der Anwendung erschlie├čen. Der verf├╝hrerische Reiz liegt oft genug darin begr├╝ndet, dass Anfangserfolge meist extrem leicht zu erlangen sind. Pferd und Mensch sind begeistert von ihrem neuen Werkzeug - dem Clicker - und die Leckerlis tun ihr ├╝briges dazu, dass beide Seiten sehr motiviert immer neue Verhaltensweisen lernen.

Vom Leichten zum Schwierigen
Dabei beginnen die meisten Basis├╝bungen mit einem sehr ├╝bersichtlichen ├ťbungsaufbau und legen den Fokus auf Objekte mit denen das Pferd interagieren soll. Das Pferd soll etwa einen Target-Stick, also einen Stab mit einem vorne befestigen Ball, ber├╝hren oder bei einer anderen Anf├Ąngerlektion eine Pylone umwerfen. Aus gutem Grund beginnt man meist auf diese Art und Weise: Die Aufgabenstellung ist rein physisch f├╝r das Pferd sehr einfach zu bew├Ąltigen, es gibt ein sichtbares Objekt nach dem sich beide Trainingspartner richten k├Ânnen, die ├ťbungseinheit ist in wenige Teilschritte zu unterteilen und der richtige Augenblick f├╝r den Click ist auch f├╝r den Einsteiger klar erkennbar. Man clickt immer den exakten Moment der Kontaktaufnahme des Pferdemauls am Gegenstand. Diese leicht erlebbaren Anfangserfolge t├Ąuschen oft dar├╝ber hinweg, dass das Erarbeiten von Lektionen umso schwieriger wird, desto komplexer die Aufgabenstellung wird und wenn keine eindeutig erkennbaren Trainingsobjekte als Referenzpunkte vorhanden sind, sondern eben nur die subtile Verhaltensver├Ąnderung des Pferdes wahrgenommen und geclickt werden soll. Wer dem Pferd etwa einen wirklich ausdrucksstarken, gymnastizierend sinnvollen Spanischen Schritt beibringen m├Âchte, der ben├Âtigt ein klares inneres Bild s├Ąmtlicher Teilschritte, die sich nat├╝rlich auch nach dem K├Ârperbau und Bewegungsablauf des jeweiligen Pferdes richten. Man muss entscheiden k├Ânnen ob es sinnvoller ist, erst einmal auf die Kadenz zu verzichten um einen sch├Ânen, schreitenden Bewegungsfluss zu erhalten oder ob man gar l├Ąngere Zeit im Stand den Spanischen Gru├č als Vor├╝bung vorschalten sollte. Selbst wenn man ein klares Bild vor Augen hat, fehlt vielen Trainern oft die n├Âtige exakte Beobachtungsgabe und das pr├Ązise Markieren der Verhaltens├Ąnderung mit dem Clicker. Manchmal ist ein kaum wahrnehmbares Anzeichen f├╝r einen Erkenntnisfortschritt beim Pferd wirklich nur ein Muskelzucken oder ein nur angedeutetes winziges Anheben der Schulter. Bleiben diese kleinen Verhaltensdetails vom Menschen unkommentiert und werden nicht positiv best├Ąrkt, so werden sie wieder verschwinden und ein Trainingsschritt kann nicht oder nur durch einen Zufall vollzogen werden. Auch eine Clickerausbildung bedeutet f├╝r Pferd und Mensch eine sehr arbeitsintensive Erfahrung und wie bei jeder seri├Âsen Pferdeausbildung m├╝ssen wir erst eine gewisse fachliche Tiefe erreichen und unsere technischen Fertigkeiten ein Leben lang weiter verfeinern.

LG,
Marlitt

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