Höflichkeitsübungen

Einen höflichen Umgang pflegen

Wer wirklich lernen will wie ein professioneller Clickertrainer arbeitet, der kommt auch nicht umhin die Bedeutung der Höflichkeitsübungen zu berücksichtigen. Der Mensch aber auch das Pferd müssen lernen, dass der Trainer das Leckerli dem Schüler übergibt und nicht dass der Click eine Aufforderung darstellt sich den Belohnungshappen einfach möglichst schnell zu schnappen. Gerade der Clickeranfänger muss in der Lage sein, das Leckerli genau dort in der selbst gewählten Geschwindigkeit dem Pferdes entspannt und ohne Hektik übergeben zu können. Die etablierte Höflichkeit im Clickertraining bedeutet auch das wir uns jederzeit neben dem Pferd wohlfühlen, also wir uns weder körperlich noch emotional durch entstehende Unruhe bedrängt fühlen. Ist dieser Grad an empfundener Sicherheit nicht gegeben so haben Höflichkeitsübungen immer die oberste Priorität im Training. Gerade der erhöhte Erregungslevel wird extrem leicht mittrainiert, denn beim Clickertraining besteht immer die Gefahr, dass durch den Einsatz von Belohnungen sowohl der Mensch wie auch das Pferd übermotiviert reagieren.Wer dann auch noch mit einem schon leicht aufgeregten Pferd weiter übt, ein angedeutetes Schnappen trotzdem belohnt oder generelle Unruhe ignoriert, der wird eben diesen schon vorhandenen Erregungslevel in sein weiteres gesamtes Training immer weiter integrieren. Nicht umsonst heißt es: „You get what You click“ - also „Du bekommst was Du clickst“ und nicht etwa das Verhalten welches wir uns wünschen oder ursprünglich als Trainingsziel angestrebt haben. Das Problem des erhöhten Erregungslevels wird sich nun sukzessive Potenzieren und kann dabei leicht außer Kontrolle geraten.

Clickertraining bedeutet auch Lernen für den Menschen
Natürlich sind wir alle in gewisser Weise von Natur aus bequem. Wir tun das am liebsten, was einen schnellen Erfolg verspricht und schieben unangenehme oder anstrengende Tätigkeiten nur zu gerne weiter auf. Aber immer nur das zu tun, was einem selbst besonders liegt und den Talenten des Pferdes entspricht, bringt einen in Bezug auf die Beherrschung einer so komplexen Methode wie der des Clickertrainings nicht weiter. Sicher ist es schön immer auf die Angebote des Pferdes zu warten und so leicht Erfolge zu produzieren. Ein Angebot in einem Problemfeld des Pferdes, etwa bei vorhandenen Ängsten wird es aber meist nicht geben. Hier ist ein systematisches Herantasten an Meideverhalten oder auch Verhaltensauffälligkeiten nötig und wir müssen gemeinsam einen Schritt aus der eigenen Komfortzone wagen. Höfliche Umgangsformen müssen wir immer wieder neu mit unserem Pferd gemeinsam verhandeln und sowohl die Grenzen unseres Toleranzbereiches abstecken wie auch die maximale Freiheit unseres vierbeinigen Partners zulassen.
Wie heißt es doch so schön: „Das Reiten lernt man nur durch reiten“ und das bedeutet auch für das Clickertraining, dass wir konsequent nach den Regeln der positiven Verstärkung unseren gemeinsamen Trainingsalltag ausgestalten müssen. Das Clickern lernt man eben auch nur durch clickern. Deshalb ist es wichtig auch die unterschiedlichen Methoden des Clickertrainings zu beherrschen, um sie gleichwertig einsetzen zu können und um entscheiden zu können, wann ein Wechsel der Methode von z.B. Target-Training zu Micro-Shaping einen schnelleren Lernerfolg verspricht. Auch hier haben wir Vorlieben: Während der eine das Pferd durchaus gerne direkt mit einem Leckerli lockt, vertraut ein anderer beim Clickertraining eher auf die Macht des freien Formens oder des Capturings. Die Schwerpunkte unserer gemeinsamen Arbeit können wir so jeden Tag neu bestimmen, aber die Höflichkeit gegenüber dem Pferd darf nie aus unserem Fokus geraten. Viel zu leicht verführen einen die Erfolge des Clickertrainings seine eigenen Ansprüche und Erwartungen dem Tier aufzudrängen. Auch dürfen wir nicht nur unsere subjektiven Erfolgserlebnisse in den Vordergrund stellen, sondern müssen das Wohlbefinden und den Spass den unser Pferd empfindet als Maßstab für unseren Umgang wählen um so den Tieren ein pferdegerechtes Lernen zu ermöglichen.

LG,
Marlitt