Zirkuslektionen und Tricks

Anerkennung um jeden Preis?

Zirkuslektionen und Tricks sind ÔÇ×inÔÇť. Fast jeder m├Âchte, dass sein Pferd irgendwelche tollen beeindruckenden Shownummern beherrscht, die dann gerne auch vor anderen gezeigt werden k├Ânnen. Ich selbst nehme mich dabei gar nicht aus, auch f├╝r mich gibt es eine gro├če Faszination dem Pferd Lektionen beizubringen und sich an den gemeinsam erreichten Erfolgen zu erfreuen. Mehr und mehr kommt es mir jedoch so vor, dass viele gar nicht unbedingt an der Gemeinschaft mit dem Pferd und dem Erlernen einer Methode interessiert sind oder sich Gedanken um Sinn und Unsinn einzelner ├ťbungen machen und sich ├╝ber die biomechanischen Zusammenh├Ąnge der Lektionen informieren, sondern einfach nur konsumieren wollen. Das Pferd soll es bittesch├Ân sofort k├Ânnen ÔÇô wie man dann dorthin kommt, ist fast egal. Der dazu geholte ÔÇ×ProfiÔÇť wird schon wissen wie es so schnell wie m├Âglich geht. Und so kommt es auch in diesem Bereich zu unsch├Ânen Szenen: Da werden Pferde eben nicht im Wortsinne ÔÇ×touchiertÔÇť, also ber├╝hrt, sondern doch eher geschlagen oder mit einer Fu├člonge nicht gehalten, sondern heruntergezogen. Da ist man eben nicht mit einer einzigen Lektion zufrieden, sondern will heute das Kompliment und morgen schon den Spanischen Schritt dazu pr├Ąsentieren k├Ânnen. Vor allem wenn der Ausbildungsstand des Pferdes nicht ausreicht, weder Basisf├╝hr├╝bungen noch H├Âflichkeitsgrundregeln und Futtermanier gefestigt sind, kann das weitreichende negative Folgen f├╝r beide Seiten haben. Der blinde Konsum von Zirkuslektionen f├╝hrt letztlich zu ├╝berforderten Pferden. Auch gutgemeinte Trainingsmethoden und vermeintlich spielerische ├ťbungen k├Ânnen leicht aus dem Ruder laufen, wenn die Tiere wie in den meisten traditionellen Disziplinen auf ihre Showqualit├Ąten reduziert werden. Schnelle Erfolge und die Anerkennung von Au├čenstehenden f├╝hren dann zu einem Rausch des “Immer-mehr-wollens” und so kann uns auch die Arbeit mit positiver Verst├Ąrkung zu einem ungez├╝gelten Ehrgeiz anstacheln. Dabei werden dann pl├Âtzlich die eigenen W├╝nsche ├╝ber die gerechtfertigten Bed├╝rfnisse des Pferdes gestellt und wir ├╝berfordern unbeabsichtigt die Tiere sowohl k├Ârperlich wie auch psychisch. Ein gutes Beispiel f├╝r eine spektaku├Ąre Lektion mit der fast jeder Pferdeliebhaber sein Umfeld begeistern m├Âchte ist der k├Ârperlich sehr anspruchsvolle Spanische Schritt.

Leistung versus Beziehung
Wer sich diesem ambitionierten Projekt widmen m├Âchte muss sich vorher dar├╝ber im Klaren sein welche k├Ârperlichen Voraussetzungen ├╝berhaupt gegeben sind, also ob das Pferd bereits in der Lage ist einen versammelten Schritt zu gehen, den Brustkorb zu heben, mit der Hinterhand aktiv unterzusetzen und den R├╝cken dabei nicht h├Ąngen zu lassen. Diesen sportlichen Anforderungen sind die meisten Pferden eben nicht von heute auf morgen gewachsen. Einfach konsumiert und mal eben schnell beigebracht wird der Spanische Schritt so ein Gehampel mit h├Ąngendem R├╝cken, stampfenden Vorderbeinen und schleppender Hinterhand. Neben diesen vielleicht noch offensichtlichen k├Ârperlichen ├ťberforderungen erstreckt sich das weite Feld der psychischen ├ťberbeanspruchung. Zirkuslektionen und “kleine” Tricks am Boden haben immer diesen vermeintlich freiheitlichen und spielerischen Charakter, aber insbesondere bei professionellen Showauftritten wird bei der inszenierten Leichtigkeit oft der psychische Druck im Training geschickt kaschiert. Neben den oben erw├Ąhnten Einsatz drastischer Hilfsmittel durch einige Trainer besteht auch bei den freizeitorientierten Pferdeliebhabern die Gefahr ihre Pferde durch eine ├╝berzogenen Erwartungshaltung psychisch zu belasten. Viele kleine ├ťberforderungen, dann doch mal ein bi├čchen Druck machen und das Bed├╝rfnis nach einer Pause ├╝bersehend summieren sich so mit der Zeit auf und erzeugen Stressempfindungen beim Pferd. Wir belasten so nachhaltig unsere Beziehung zum Pferd wenn wir “nur” ein paar kleine Tricks erarbeiten m├Âchten und dabei unsere Interessen ├╝ber das Wohlbefinden der Tiere stellen. Unsere Gl├╝cksgef├╝hle d├╝rfen wir niemals auf Kosten eines anderen Lebewesens erlangen, denn nur wenn wir weniger f├╝r uns und mehr f├╝r das Pferd wollen,┬á dann k├Ânnen wir unsere gemeinsamen Erfolge auch sp├Ąter ohne Reue genie├čen.

LG,
Marlitt

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  1. Nov 22, 2015: von Lektionen-Marathon - Schluss mit lustig ! ;-) - Clickerpony

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