Das Gehirn bestimmt die Realit├Ąt

Bei Mensch UND Pferd

Das S├Ąugetiergehirn von uns Menschen und dem Pferd leistet in jeder Sekunde des Lebens ein erstaunliches Arbeitspensum und schaltet auch w├Ąhrend des Schlafs kaum einen Gang zur├╝ck. Es koordiniert, filtert und verarbeitet Milliarden von Sinnesreizen und fungiert als Schaltstelle zwischen den gespeicherten Informationen in unserem Ged├Ąchtnis und der st├Ąndig auf die Sinnesorgane einprasselnde Au├čenwelt. Vergleicht man die Gehirnfunktionen unterschiedlicher Arten wie Pferd und Mensch, so ergeben sich kleinere anatomische Abweichungen, wie etwa der beim Menschen im Vergleich zum Pferd besonders stark gefalteten und damit sehr aktiven Gro├čhirnrinde, welche f├╝r unsere hochgepriesene Rationalit├Ąt verantwortlich sein soll. Auch wenn sich unser Gehirn noch in vielen funktionalen Details von dem des Pferdes unterscheidet so teilen wir uns doch die grunds├Ątzliche Schwierigkeit die Au├čenwelt damit abbilden zu k├Ânnen. Was ist eigentlich die Lebensrealit├Ąt des Pferdes? Und wie unterscheidet sie sich von der des Menschen? Gibt es ├╝berhaupt eine objektive Realit├Ąt oder ist das alles letztlich nur eine Frage der Interpretation?

Ein mentaler Fingerabdruck
Die Wahrnehmung beider Arten, Mensch und Pferd vereinigt in ihren K├Âpfen ein erdachtes Gesamtbild s├Ąmtlicher Eindr├╝cke, Erinnerungen, Gedanken und Emotionen. Dabei ist die Gewichtung dieser Bereiche bei jedem Individuum so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Betrachtet man den mentalen Fingerabdruck des Pferdes, so ist bekannt, dass es sehr eindr├╝cklich von seinen Emotionen beeinflusst wird. Gerade wenn sehr starke Gef├╝hle wie etwa ├ängste eine Situation begleiten, ist es nicht mehr in der Lage rational zu denken. Mirei├čende Emotionen oder negative Erlebnisse in der Vergangenheit k├Ânnen sowohl beim Pferd wie auch bei uns Menschen die Wahrnehmung erheblich verzerren. Unsere Gehirne k├Ânnen ein Abbild von der Au├čenwelt mit einem leichten Pinselstrich zeichnen in hellen, fr├Âhlichen Farben, wenn wir uns wohlf├╝hlen, wir uns in angenehmer Gesellschaft befinden oder auch an der an uns gestellten Aufgabe Freude haben. Dieses innere Bild der Realit├Ąt bestimmt aber auch wie erfolgreich ein Pferd bestimmte Anforderungen oder Lektionen bew├Ąltigen kann. Wir k├Ânnen zwar die Wahrnehmung des Pferdes nicht steuern, aber wir k├Ânnen die Umwelt und unsere Handlungen so gestalten, dass wir emotional belastende Ausl├Âser identifizieren und zuk├╝nftig vermeiden. Wenn wir uns im Training bem├╝hen verst├Ąndnisvoll und ohne Druck zu agieren, aber daf├╝r mit viel Einf├╝hlungsverm├Âgen unserem Pferd begegnen, wird es unsere Welt durch eine rosarote Brille wahrnehmen k├Ânnen und auch uns Menschen in diesem Bild als ein angenehmes Accessoire mit einbeziehen.

LG,
Marlitt

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  1. Nov 22, 2015: von Lektionen-Marathon - Schluss mit lustig ! 😉 - Clickerpony

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