Die Kunst des Ignorierens

Dem inneren Impuls widerstehen

Eine sehr gute Methode einem Pferd ein Verhalten wieder abzugew├Âhnen, welches wir nicht┬á w├╝nschenswert finden, ist das Ignorieren. Aber wir sollten uns immer bewusst sein, dass jegliche Form des Ignorierens auch immer eine Form der Kommunikation mit dem Pferd darstellt, n├Ąmlich indem wir dem Pferd keine Beachtung schenken, transportieren wir nonverbal die Information ÔÇ×Dein Verhalten interessiert mich nichtÔÇť.

Effektives Ignorieren im Trainingsprozess ist eine gro├če Kunst. Es bedeutet aktiv ein Verhalten nicht zu beachten, das Pferd nicht anzusprechen, es nicht zu ber├╝hren, ja eigentlich jeden Gedanken an das Pferd und die Situation auszuschalten. Jegliche minimale Hinwendung zum Tier kann als Zustimmung interpretiert werden und ist damit das Gegenteil von Ignorieren, es ist eine subtile Form der Beachtung. Daher gilt, wenn wir ein Verhalten ignorieren wollen, versuchen wir uns aus der Situation ÔÇ×auszuklinkenÔÇť und die eigene Ungeduld und Unsicherheit wirksam zu verbergen. Das gelingt am Besten, wenn man sich bewusst eine andere Besch├Ąftigung sucht, die einen einnimmt. Also, wenn das Pferd zum Beispiel um Aufmerksamkeit am Anbindebalken durch Scharren bettelt, entziehen wir uns dieser Situation sofort, wir wenden uns ab und lassen unseren Blick ├╝ber die Weide schweifen, oder wir widmen uns dann zum Beispiel der Pflege unseres Sattelzeugs. Wenn das Pferd dann das Scharren mit dem Huf eingestellt hat, halten wir es noch einen kleinen Moment aus und markieren dieses erw├╝nschte Verhalten dann erst mit Click und Leckerli. Das ganze Spiel wiederholen wir immer wieder, bis das Pferd merkt, ÔÇ×mein Mensch wendet sich mir erst wieder zu, wenn ich nicht mehr scharre und nicht einmal mehr ans Scharren denkeÔÇť.
Manchmal sind wir jedoch der festen ├ťberzeugung, dass wir ein Verhalten doch eindeutig ignorieren, aber leider reicht schon ein winziges Zucken mit dem Kopf oder unwillk├╝rliches Aufhorchen unsererseits, um das Pferd durch diese Aufmerksamkeit, die wir ihm unbewusst schenken zu best├Ątigen.

Seine eigenen Emotionen kontrollieren
Wie bei jeder Kommunikationsform gilt auch hier: ├ťbung macht den Meister! Wir m├╝ssen oft ganz neu lernen wie wir mit st├Ârenden Einfl├╝ssen umgehen k├Ânnen, Ruhe bewahren auch wenn es in uns brodelt, sich bewusst von der St├Ârung l├Âsen und die eigene Aufmerksamkeit konstruktiv auf etwas anderes lenken. Diese neu erlernte Technik k├Ânnen wir dann aber auch gewinnbringend in unserem Alltag verwenden, wenn wir uns etwa in der Reithalle bisher von anderen Reitern leicht aus der Ruhe bringen lie├čen oder wir schon dazu neigen uns an Kleinigkeiten zu st├Âren. Das Ignorieren ist ein aktiver Prozess, wir entscheiden dabei wie eine Situation positiv beeinflusst werden kann, indem man aufmerksamkeitsheischendes Verhalten nicht durch die eigene Zuwendung belohnt oder St├Ârungen auch mal aush├Ąlt und so eine weitere Eskalation verhindert.
Wie sagt man so sch├Ân: “Wenn Menschen ihre eigenen Emotionen nicht kontrollieren k├Ânnen, fangen sie damit an das Verhalten von anderen ├Ąndern zu wollen

LG,
Marlitt

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