Je tiefer der Teller…

ÔÇŽ desto h├Âher der Tellerrand

Wer kennt sie nicht, diese Phasen im Leben, in denen man von einem ganz bestimmten Wissensbereich fasziniert ist, alles zu diesem Thema f├Ârmlich aufsaugt, B├╝cher gew├Ąlzt, Kurse besucht und Diskussionen gef├╝hrt werden. Wir sch├Âpfen bildlich gesprochen mit der gro├čen Kelle Wissenssuppe in unseren Teller. Unser vorerst ├╝berschaubarer Teller f├╝llt sich mehr und mehr. Aus einer klaren Consomm├ę wird so schnell ein dicker Eintopf mit vielen bunten Wissensbr├Âckchen und Gedankeneinlagen. Begeistert r├╝hren wir mit unserem L├Âffel immer weiter in der hei├čen Wissenssuppe und erfreuen uns an immer neu auftauchenden Aspekten und Einf├Ąllen. Es ist herrlich sich am eigenen Wissen zu erfreuen und begeistern. Und auch sehr wichtig, denn nur wer wirklich Feuer und Flamme f├╝r eine Sache ist, kann tief genug in die Materie einsteigen um konstruktiv und kreativ mit dem Wissen umzugehen und neues zu erg├Ąnzen.

Satt und zufrieden?
Denn genau da liegt h├Ąufig das Problem. Oft genug werden Menschen je mehr Wissen sie von einer Sache zu haben glauben, umso intoleranter und letztlich ignoranter. Um beim Bild des Suppentellers zu bleiben: Wer viel hei├če Suppe vom Topf zum Tisch transportieren will, braucht einen tiefen Teller. Je hei├čer die Suppe ist, desto h├Âher ist auch der Tellerrand, den man braucht um nichts zu versch├╝tten und den Teller ├╝berhaupt ber├╝hren und tragen zu k├Ânnen. Das dumme an so einem hohen Tellerrand ist nur, dass man aus der eigenen Perspektive der Wissenssuppe heraus so schlecht ├╝ber ihn hin├╝berschauen kann. Man isoliert sich quasi selbst und bildet eine dampfende Abgrenzung zur Au├čenwelt. Ebenso stillt man seinen Appetit immer wieder mit der gleichen Kost ohne auch mal den Blick ├╝ber die weitere Auswahl schweifen zu lassen. So verliert man auch schnell die Neugier und den Mut etwas anderes zu probieren, etwa die vermeintlich exotischen Lieblingsgerichte unser Freundinnen oder die Vorz├╝ge der gutb├╝rgerlichen K├╝che der ├Ąlteren Feinschmecker.
Unser Wissensdurst darf uns nicht einfach satt und zufrieden machen sondern ist lediglich die Grundlage um offen gegen├╝ber den Geschm├Ąckern in der Pferdewelt zu bleiben.

Bon app├ętit und viel Spa├č beim Naschen!
LG,
Marlitt

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