Ruhe und Balance im Training

Den optimalen Motivationslevel finden

Spricht man ├╝ber Motivation durch positive Verst├Ąrkung, Lob und Belohnungen, so ist es unabdingbar sich auch Gedanken ├╝ber den optimalen Motivationslevel des Pferdes zu machen. Gerade Einsteiger im Bereich der positiven Verst├Ąrkung begehen trotz ihrer guten Absichten einen weit verbreiteten Fehler, n├Ąmlich das Pferd durch unbedachte Belohnungen oder gar unkontrollierte Futtergabe zu ├╝berfordern und aufzuregen. Pferde, die mit viel hochwertigem Futter an bestimmte Aufgaben herangef├╝hrt werden, k├Ânnen beispielsweise schnell ├╝bermotiviert reagieren. Sie sind dann nicht mehr entspannt und in einem ruhigen Arbeitsmodus, sondern aufgekratzt, erregt und angespannt. Zwar ist der Ursprung einer solchen Futteraufregung ein positives Gef├╝hl der Freude, aber durch die hohe Erregung in der Futtererwartung entgleist das urspr├╝nglich positive Gef├╝hl und kann gepaart mit Trainingsfehlern wie dem ungenauen Timing der Futtergabe, ung├╝nstigem Trainingsaufbau oder unpassender Belohnungrate zu einem gestressten, hektischen Pferd f├╝hren, welches in st├Ąndiger Futtererwartung unkonzentriert agiert und nicht mehr zur inneren Ruhe zur├╝ckfindet. Um ein gutes Trainingsergebnis zu erzielen ist eine grunds├Ątzliche Handlungsbereitschaft n├Âtig, nicht aber eine ├╝ber einen mittleren Erregungslevel herausschie├čende ├╝bermotivierte Angespanntheit. Unser Pferd soll also freudig aktiv sein etwas zu tun, aber nicht in eine st├Ârende Unruhe versetzt werden. Je h├Âher der Grad der Erregung, desto mehr h├Ąuft sich die Fehlerrate und es leidet die Konzentrationsf├Ąhigkeit des Pferdes, womit sich zwangsl├Ąufig die Anzahl der kleinen Erfolgserlebnisse verringern. Je nach Trainingsziel und Pferdepers├Ânlichkeit gilt es hier den individuellen Motivationslevel zu finden, in dem das Pferd angeregt aber dennoch besonnen und ruhig agieren und lernen kann.

Motivation aus sich selbst heraus
Meist arbeiten wir mit Pferden ├╝ber den Mechanismus der extrinsischen, also von au├čen gesteuerten Motivation. Aus sich selbst heraus wird vermutlich kaum ein Pferd auf den Gedanken kommen sich die Hufe bearbeiten zu lassen oder aber einen Reiter auf seinem R├╝cken zu tragen. All diese von uns angestrebten Lerninhalte muss es erst kennenlernen und ├╝ber Erfolgserlebnisse St├╝ck f├╝r St├╝ck in sein Verhaltensrepertoire aufnehmen. Es orientiert also sein Verhalten an der Aussicht auf den zu erwartenden Erfolg. Einen wirklich entscheidenden Schritt zu einem starken Pferd-Mensch-Team mit einem hoch motivierten Partner Pferd erreichen wir, wenn die beigebrachten Lektionen, also die ├╝ber Lob verst├Ąrkten Handlungen als selbstbelohnend f├╝r das Tier empfunden werden. Hat man einmal einen gewissen Punkt ├╝berschritten, ist eine st├Ąndige erneute Belohnung des Pferdes gar nicht mehr n├Âtig. Es handelt dann rein aufgrund seiner eigenen inneren Freude am gemeinsamen Tun. Aus einer extrinsischen ┬áMotivation ├╝ber positive Verst├Ąrkung entsteht so eine intrinsische Motivation, die wiederum das Selbstbewusstsein des Pferdes steigert. Aufgaben werden dabei um ihrer selbst willen gel├Âst und nicht mehr weil es daf├╝r eine direkte R├╝ckmeldung des Menschen gibt.
F├╝r mich pers├Ânlich ist es von gro├čer Bedeutung den Pferden mehr Freude an der gemeinsamen Aktivit├Ąt mit ihren Menschen zu erm├Âglichen. Je mehr Freiheiten ausgelebt und Verhaltensweisen ├╝ber positive Verst├Ąrkung erlernt werden, desto stolzer und selbstbewusster wird auch das Pferd. Die Entwicklung der Motivation, das Erreichen der eigenen Ziele und ihre Kreativit├Ąt sind so elementare Bestandteile der positiven Pers├Ânlichkeitsentwicklung eines Pferdes. Es ist also auch eine ethische Frage, wie wir die Motivation des Pferdes f├Ârdern und nutzen m├Âchten. Wollen wir ein Tier, welches vor allem motiviert ist Bestrafungen zu entgehen und Unbehagen zu vermeiden, oder eine starke Pferdepers├Ânlichkeit, welche motiviert ist ihr Bestes zu geben und sich in unserer Gesellschaft wohl f├╝hlt?

LG,
Marlitt

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