Lernen um zu leben!

Lernverm├Âgen als Anpassung an die Lebensrealit├Ąt

Pferde lernen, um ihr eigenes Verhalten zu optimieren und an ver├Ąnderte Lebensbedingungen anpassen zu k├Ânnen. In der freiem Natur erh├Âhen sie dadurch ihre eigene ├ťberlebenswahrscheinlichkeit und erhalten den eigenen Gesundheitszustand so angenehm wie m├Âglich. Pferde lernen jene Verhaltensweisen am effektivsten, die sich langfristig lohnen oder aber in der Vergangenheit schon einmal gelohnt haben. Die Grundprinzipien nach denen sich die Ver├Ąnderung des Pferdeverhaltens - also ihr Lernenverm├Âgen - richtet, gelten ebenso bei uns Menschen wie bei s├Ąmtlichen anderen h├Âher entwickelten Wirbeltieren.

Die Lerngesetze
Man nennt diese Grundprinzipien deshalb auch Lerngesetze, da sie wie die Gesetze der Physik unter bestimmten Bedingungen immer zutreffen. Ebenso sicher wie ein Gegenstand durch die Schwerkraft auf den Erdboden f├Ąllt, wird ein gesundes Pferd aus jeder Situation etwas lernen. Es gibt keine lernfreie Zone im Pferdeleben, das Lernen findet st├Ąndig statt, auch wenn wir uns manchmal vielleicht w├╝nschen w├╝rden, das Pferd w├╝rde nicht immer seinen ÔÇ×LernempfangÔÇť eingeschaltet haben. Denn unsere intelligenten Vierbeiner lernen zum Beispiel schon das Scharren mit dem Vorderhuf, wenn wir es daraufhin mit unserer Aufmerksamkeit belohnen.
Pferde sind ├Ąu├čerst soziale Lebewesen, sie leben in sehr stabilen Gruppengef├╝gen, deren st├Ąrkstes Attribut die Freundschaftsbeziehungen sind. Befreundete Pferde verbringen nicht nur sehr viel Zeit miteinander und teilen ihren Alltag, sie lernen auch voneinander. Ein wichtiger Baustein f├╝r die Pferdeausbildung ist es, eine freundschaftliche Beziehung mit dem Pferd aufzubauen. F├╝r eine Freundschaft zwischen Pferd und Mensch braucht es neben Geduld und Einf├╝hlungsverm├Âgen vor allem ein Verst├Ąndnis f├╝r die Andersartigkeit des Gegen├╝bers und vorbehaltlose Zuwendung. Pferde lieben es miteinander Zeit zu verbringen, sie genie├čen z├Ąrtliche Ber├╝hrungen und gemeinsames Umherwandern. Wer also nicht nur zu seinem Pferd kommt, um mit ihm zu trainieren, sondern auch um es zu umsorgen und mit ihm zusammen zu sein, der wird eine starke Partnerschaft zusammen mit seinem Pferd etablieren k├Ânnen.

Bausteine f├╝r ein gutes Pferdetraining
Der einf├╝hlsame Pferdetrainer reduziert seine Arbeit nicht nur auf die Verfeinerung der aktuellen Lektion und versteift sich nicht auf ein festgefahrenes Lernziel, sondern sieht sich selbst als eine Art Lernbegleiter f├╝r sein Pferd. Bei dieser Trainingsphilosophie ist der Coach f├╝r den Erfolg, aber auch f├╝r den Misserfolg des gemeinsamen Trainings verantwortlich. Er wird versuchen s├Ąmtliche Lernbedingungen so zu steuern, dass das Pferd motiviert wird aktiv am Lernprozess teilzunehmen.
Das Fundament eines harmonischen Miteinanders und die Basis f├╝r ein erfolgreiches Pferd-Mensch-Team ergibt sich aus dem Zusammenspiel folgender Lebensbereiche:

Die Pferdepers├Ânlichkeit achten
Wir als Pferdefreunde sollten Respekt vor den Erfahrungen und der Lebensgeschichte des Pferdes haben. Jedes Verhalten hat seine Ursachen, erw├╝nschtes Verhalten ebenso wie unerw├╝nschtes oder gar Problemverhalten. Respektvolles Pferdetraining bedeutet auch sich auf die Bed├╝rfnisse des Pferdes einzustellen und Mangelsituationen auf den Grund zu gehen.
Pferde arbeiten immer dann besonders zuverl├Ąssig mit, wenn sie von ihrem Coach bewusst dazu angeleitet werden, Einfluss auf ihr Wohlbefinden zu nehmen und die Lerngeschwindigkeit selbst steuern zu k├Ânnen. Der Trainer ├╝berl├Ąsst dem Tier dabei bewusst die freie Wahl mitzuarbeiten oder aber auch sich zur├╝ckzuziehen. Pferde vertiefen auf diesem Wege ihr Vertrauen in den Menschen, da sie merken, dass nicht ├╝ber sie bestimmt wird. Diese freiwillige Lernatmosph├Ąre f├╝hrt zu nachhaltigen Erfolgen und schlie├čt so eine ├ťberforderung des Pferdes aus.

Kommunikation schafft Vertrauen
Kommunikation bedeutet der Austausch von Meinungen, Befindlichkeiten oder Absichten. Nur wer zum einen in der Lage ist zu verstehen, wie sich das Pferd f├╝hlt und zum anderen sich selbst klar mitzuteilen vermag, wird eine erfolgreiche Pferdeausbildung initiieren k├Ânnen. Dabei ist es insbesondere wichtig, die Antworten und R├╝ckmeldungen des Pferdes nicht nur wahrzunehmen, sondern auch wertzusch├Ątzen und in die eigenen Handlungen einflie├čen zu lassen. So kann Stress vermieden werden und das Pferd sich im Training wohlf├╝hlen. Kommunikation ist keine Einbahnstra├če, sondern lebt von dem st├Ąndigen ungest├Ârten Informationsfluss zwischen den ungleichen Partnern. Ein gleichberechtigter Dialog bildet die Vertrauensbasis. Erst wenn das Pferd vertrauensvoll unsere N├Ąhe sucht, sich anfassen l├Ąsst und mit uns zusammen Freude und Entspannung zeigt, ist die Grundlage f├╝r effektives Pferdetraining geschaffen.

Das Pferdeleben verstehen und bereichern
Ein erf├╝lltes Pferdeleben sollte auch in menschlicher Obhut m├Âglichst naturnah und pferdegerecht ausgestaltet werden. Nur ein gesundes, gut gehalten und ern├Ąhrtes Pferd ist ├╝berhaupt in der Lage positiv zu lernen. Die Lebensbedingungen des Pferdes k├Ânnen auch ├╝ber Ansprache, Abwechslung und geistige F├Ârderung bereichert werden. Der engagierte Pferdeliebhaber hat heute diverse M├Âglichkeiten sich umfangreich Fachwissen anzueignen, Konzepte der modernen Pferdehaltung zu verwirklichen und an seinen eigenen F├Ąhigkeiten als verst├Ąndiger Partner f├╝r sein Pferd zu arbeiten.

Was unser Pferdetraining positiv beeinflusst:

  1. Die Motivation ist die W├Ąhrung in einem erfolgreichen Pferd-Mensch-Team. Nur wer wei├č wie er sich selbst und sein Pferd motiviert kann so eine gewinnbringende Beziehung aufbauen. Pferde lieben eine entspannte Arbeitsatmosph├Ąre, sie spielen gerne und orientieren sich an den authentischen Emotionen ihrer Menschen.
  2. Wer sich seiner eigenen K├Ârpersprache und der des Pferdes bewusst ist, kann diese im gegenseitigen Dialog als Sprachmittel einsetzen. Dabei befinden wir uns mit unserer Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt und sind in der Lage, Ablenkungen von au├čen auszublenden.
  3. Pausen sind wichtige Phasen der Entspannung f├╝r Mensch und Tier. Ein Pferd lernt eine Lektion nur dann motiviert und nachhaltig, wenn es nicht durch zu h├Ąufige Wiederholungen ├╝berfordert wird. Es braucht zwischen den Arbeitseinheiten immer wieder Zeiten die Seele baumeln zu lassen. W├Ąhrend dieser kleinen Verschnaufpausen wird das Gelernte gefestigt und im Langzeitged├Ąchtnis abgespeichert.
  4. Wie wir Menschen hat auch das Pferd wechselnde Tagesformen. Was an einem Tag leicht f├Ąllt kann an einem anderen Tag scheinbar grundlos Schwierigkeiten bereiten. Manchmal verharrt unser Pferd auf einem Lernplateau, in dieser Phase werden dann kaum Fortschritte beobachtet. Gerade nach solchen Phasen des vermeintlichen Stillstandes kommt es oft zu einem deutlichen Lernfortschritt. Deshalb bestimmt das Pferd das Lerntempo und wir Menschen begleiten es geduldig auf seinem Lernweg.
  5. Wir haben ein klares Trainingsziel und eine detaillierte innere Vorstellung von dem, was wir konkret tun m├Âchten. Dies bedeutet dennoch nicht, dass wir das Ziel unbedingt innerhalb einer bestimmten Zeitspanne verwirklichen m├╝ssen, sondern der Weg zu diesem Endpunkt sollte f├╝r uns und unser Pferd eine sich selbst belohnende Aktivit├Ąt darstellen.
  6. Wichtig ist es das Zielverhalten in m├Âglichst viele kleinste Zwischenschritte zu gliedern, die einzeln erarbeitet werden. Dabei existiert das Endziel zun├Ąchst nur als Bild in unserem Kopf, die Teilschritte auf dem Weg dahin werden dem Pferd nacheinander nahegebracht, ohne es zu ├╝berfordern.
  7. Wir vertrauen auf unsere angeborene Intuition und sind bem├╝ht uns auf eine emotionale Verbindung zu unserem Pferd einzulassen, um minimale Stimmungsver├Ąnderungen wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren. Auch unsere eigenen Stimmungsschwankungen k├Ânnen das Lerngeschehen beeinflussen und m├╝ssen ber├╝cksichtigt werden.
LG,
Marlitt

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