Effektive und pferdegerechte Ausbildung

Im Dschungel der Methoden

Pferdegerechte Ausbildung orientiert sich am Lernverhalten und der Motivation der Pferde. Pferde lernen besonders gerne mit Belohnungen, daher stellen Belohnungsmethoden die effektivsten Trainingsmethoden dar. Dazu gliedern wir die Aufgabenstellung f├╝r das Pferd in so kleine Schritte, dass das Pferd st├Ąndig Aussicht auf eine Belohnung hat und belohnen gro├čz├╝gig jeden kleinsten Fortschritt. “Fehler” sollten m├Âglichst ignoriert werden und zum Anlass genommen werden, eine ├ťbung noch einmal einfachen darzustellen. Meiner Ansicht nach liegen die gr├Â├čten Ausbildungsfehler immer auf Seiten des Menschen. H├Ąufig ist sich der Trainer zu wenig bewusst, dass sein Pferd st├Ąndig lernt und nicht nur dann, wenn der Trainer das f├╝r sinnvoll h├Ąlt. Oftmals sind auch die ├ťbungen nicht klar und einfach genug strukturiert, es werden zu hohe Anforderungen an die Pferde gestellt und zu selten gelobt und belohnt. Dazu orientieren sich nach wie vor viele Trainer ausschlie├člich an Druckmethoden und arbeiten nur mit dem Aufbau und dem Nachlassen von Druck und praktisch g├Ąnzlich ohne Belohnungen. Zur Verdeutlichung der unterschiedlichen Vorgehensweisen hier mal einige Beispiele.

Beispiel Planentraining
Zun├Ąchst einmal lassen wir das Pferd an einer zusammengefalteten Plane schn├╝ffeln, bzw. gehen so nah heran, wie das Pferd sich von alleine traut. Hier belohnen wir das Pferd m├Âglichst mit Futter, da das Kauen eine ungemein entspannende Wirkung auf das Pferd hat. Nach und nach falten wir die Plane auseinander und belohnen immer, wenn sich das Pferd mit der Plane besch├Ąftig, bis wir sie schlie├člich vollst├Ąndig auseinandergefaltet haben. Sp├Ąter k├Ânnen wir auch Leckerlis auf die Plane legen, so dass das Pferd sie dort fressen kann. Wichtig ist, dass das Pferd stets selbst entscheiden kann, ob es mit arbeiten m├Âchte oder nicht.
Die herk├Âmmliche Methode hat oft wenig mit Belohnungen zu tun. Dabei werden die Pferde mit der Plane konfrontiert und jedes Ausweichen wird mittels Seilschwenken oder Ruck am Halfter bestraft. Nach und nach lernt das Pferd so, dass es der Plane nicht ausweichen darf. Lieben wird es die Plane deswegen jedoch nicht.

Beispiel Anh├Ąngertraining
Wenn wir das Verladen ├╝ben wollen, sollten zun├Ąchst alle Teilkomponenten der Bodenarbeit ohne H├Ąnger problemlos funktionieren. Das Pferd sollte sich f├╝hren lassen, auf ein Signal stehen bleiben und r├╝ckw├Ąrts gehen k├Ânnen. Erst wenn es diese Grundf├Ąhigkeiten beherrscht, kommen wir zu schwierigeren ├ťbungen wie dem F├╝hren ├╝ber eine Holzbr├╝cke oder unter einer Plane hindurch. Erst wenn es all diese Anforderungen gemeistert hat, wenden wir uns dem H├Ąnger zu und clicken (wenn wir denn ein clickererfahrenes Pferd haben) f├╝r jeden Schritt auf den H├Ąnger zu, auf die Rampe und auf dem H├Ąnger. Auch das Ausparken ├╝ben wir nach diesem Prinzip. Geht unser Pferd einige Male problemlos auf den H├Ąnger, reduzieren wir langsam die Belohnungen, bis wir schlie├člich unser verladesicheres Pferd nur noch dann belohnen, wenn es vollst├Ąndig auf dem H├Ąnger steht.
Auf jedem Turnierplatz l├Ąsst sich die Druckmethode am Pferdeanh├Ąnger beobachten. Der Weg auf den H├Ąnger wird als eine Art ÔÇ×Einbahnstra├čeÔÇť dargestellt. Jedes Stehen bleiben oder Schritt nach hinten wird je nach Mentalit├Ąt der beteiligten Menschen mit Seilschwenken, Gertenschlag oder Schlag mit dem Besen bestraft, jedes Vorgehen f├╝hrt zur Lockerung dieses Druckszenarios. Sicher werden viele Pferde so irgendwann den H├Ąnger betreten, da sie keine andere M├Âglichkeit dazu sehen, vertrauensvoll und freiwillig jedoch nicht.

Beispiel R├╝ckwartsrichten
Die meisten Pferde gehen r├╝ckw├Ąrts, wenn man vor ihnen steht mit Blick zum Pferd und ein Leckerli vom Maul aus zur Brust f├╝hrt. Um das Leckerli zu erreichen, wird das Pferd einen Schritt zur├╝ck machen. Sobald es sich auch nur minimal nach hinten bewegt, belohnen wir mit dem Belohnungston und geben ihm das Leckerli. Nach einigen Wiederholungen reicht ein Fingerzeig ohne lockendes Leckerli und das Pferd weicht r├╝ckw├Ąrts.
Herk├Âmmlich wird meist vor dem Pferd mit dem Seil gewedelt, also dem Pferd etwas Angst gemacht. Daraufhin weichen die meisten Pferde r├╝ckw├Ąrts aus. Nach und nach deuten die Trainer dieses Wedeln nur noch an, bis das Pferd schon auf eine Androhung dieser Strafe r├╝ckw├Ąrts weicht. Die Aufgabe ÔÇ×r├╝ckw├Ąrts gehenÔÇť haben diese Pferde jedoch nicht verstanden, sie weichen nur dem Druck des Trainers.
Letztlich bleibt es an uns welchen Ausbildungsweg wir gemeinsam mit unserem Pferd gehen m├Âchten.

LG,
Marlitt

Sorry, comments for this entry are closed at this time.