Versteckte Lerninhalte

Und was lernen wir daraus?

Der Lernprozess im Pferdetraining ergibt sich im Idealfall ja immer aus einem zuvor vom Menschen festgelegten Lernziel und einer klar definierten Arbeitsmethode. Aber was geschieht dabei eigentlich in den Köpfen der Pferde? Lernerfolge lassen sich für uns von außen nur daran erkennen, dass unser Schüler sein Verhalten ändert oder neue Verhaltensweisen ausführt. Das Erlernen neuer Lektionen oder anspruchsvoller Verhaltensketten kann über sehr unterschiedliche Trainingsmethoden erfolgen: Vom freien Formen ausgeführter Bewegungsmuster bis hin zu druckbasierten Trainingsformen mit permanenten Strafandrohungen reicht die Palette der zu beobachtenden Trainingsansätzen im Pferdebereich. Dabei unterschieden sich nicht nur die Wege zum Ziel, sondern vor allem die oft übersehenen mitschwingenden Emotionen und die zugrunde liegende Motivation.
Insbesondere bei der Verwendung von Strafreizen lernen die Pferde zumeist etwas ganz anderes als einen die beteiligten Trainer weismachen möchten. Soll etwa ein Pferd auf ein Signal hin rückwärts zu weichen, so besteht bei vielen über Druck arbeitenden Trainingsmodellen lediglich darin vor der bedrohlichen Körpersprache oder dem Einsatz der beteiligten Hilfsmittel wie Gerte oder schwingendes Seil zurückzuweichen. Es entsteht so eben gerade kein übergeordnetes Konzept für „Ich bewege mit rückwärts“ mit dem entsprechenden Körpergefühl und der Orientierung im Raum, sondern es ergibt sich ein reines Weichen vor dem Druck. Und bei der so harmlos wirkenden Lektion „ruhig stehen“ lernen die Tiere nur zu häufig nicht alle vier Füße an einem Ort zu belassen und sich zu entspannen, sondern letztlich nur eine erfolgreiche Vermeidungsstrategie zu entwickeln: Nämlich wie es der Strafe des Trainers entgehen kann.

Und was passiert im positiven Pferdetraining?
Auch wenn man möglichst ohne Druck und Bestrafung trainiert kann es passieren, dass unser Pferd etwas ganz anderes lernt als wir beabsichtigt haben. Besonders viele „falsche“ Lerninhalte trainieren wir unbewusst ganz nebenbei mit, etwa wenn wir mal wieder das „störende“ Scharren mit den Vorderhufen mit unserer Aufmerksamkeit belohnen. So verstärken wir höchst effektiv das aufmerksamkeitsheischende Verhalten des Pferdes und werden dann mit einem kurzen Moment der ruhe belohnt.
Aber auch wir Menschen zeigen ständig Verhaltensweisen die unsere wahre Motivation verschleiern: So haben wir etwa gelernt uns in bestimmten Situationen besonders freundlich zu zeigen, um mögliche Konflikte zu vermeiden.

Lernen sollte immer auf Grundlage des gegenseitigen Einverständnisses stattfinden!

Was möchten wir lernen?
Es stellt sich nicht nur die Frage, was das Pferd von uns lernen soll, sondern aus meiner Sicht mindestens ebenso sehr die Frage, was wir denn bereit sind zu lernen und am eigenen Leib zu erfahren.

Ein eindeutiges Lernziel definieren
Klar umrissene Lernziele für eine Trainingssession ermöglichen klar gewählte Kriterien für eine Belohnung. Nur wer wirklich vor Augen hat, was er wann markern möchte, ist in der Lage seinem Pferd eine direkte Rückmeldung zu geben.

Wie möchten wir lernen?
Eine verständliche und pferdefreundliche Arbeitsform zu wählen hilft dabei stressfrei und zielgerichtet vorzugehen und macht es dem Pferd leicht Erfolg zu haben. Das wiederkehrende Erfolgserlebnis motiviert das Pferd dabei nachhaltig.

Gemeinsame Ziele und Lernerfolge sind natĂĽrlich wichtig, aber wie ist man dorthin gelangt? Einvernehmlich mit dem Pferd lernen ist fĂĽr beide Seiten nachhaltiger, denn fĂĽreinander etwas zu tun, die Motivation des anderen verstehen und sich wohlfĂĽhlen bei der Arbeit sind elementare Bausteine einer partnerschaftlichen Beziehung.

LG,
Marlitt

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