Fellkraulen im Fokus

Ber├╝hrungsimpulse f├╝r die Pferdeseele

Fellkraulen geh├Ârt zum Sozialverhalten der Pferde. Sie kraulen sich gegenseitig, um Beziehungen zu kn├╝pfen, Freundschaften zu vertiefen, sich gegenseitig Wohlbefinden zu schenken und den Stresslevel zu reduzieren. Allgemein gilt, je h├Ąufiger sich bestimmte Pferde gegenseitig kraulen, desto sympathischer sind sie einander und desto enger sind sie miteinander befreundet. Im Verlauf des Rossezyklus┬┤ der Stute kommt es an den Tagen in der N├Ąhe der Empf├Ąngnisbereitschaft zu besonders ausgepr├Ągten Krauleinheiten zwischen Hengst und Stute. Hier steht die Paarbindung und das Paarungsvorspiel im Vordergrund. Zur Zeit des Fellwechsels dagegen dient das Fellkraulen auch zur gegenseitigen Fellpflege.
Am Fellkraulen kann man sehr gut die Beziehungen und Freundschaften der Pferde untereinander kennenlernen. Die Kraulaufforderungen k├Ânnen dabei mehr oder weniger subtil sein. Vorsichtig Anfragen ob ein Kraulen erw├╝nscht ist, kann jedes Pferd, es akzeptiert jedoch auch ein ÔÇ×neinÔÇť des anderen, wenn dieses in der Stellung innerhalb der Herde gerade ein anderes bevorzugt.
Das gegenseitige Fellkraulen ist ein intensives Bed├╝rfnis eines Pferdes. Es braucht funktionierende Beziehungen und Freundschaften zu anderen Pferden und dr├╝ckt den Grad der Freundschaft unter anderem ├╝ber das Fellkraulen aus. Ganz allgemein f├Ârdern positiv empfundene Ber├╝hrungen von befreundeten Individuen das gesunde Immunsystem und die Wundheilung und reduzieren Stress.

Bevorzugte K├Ârperpartien?
Pferde kraulen sich gegenseitig bevorzugt am Hals, am Widerrist und entlang des R├╝ckens. Entlang ┬ádieser Regionen leiten k├Ârpereigene Sensoren die positiven Empfindungen direkt weiter an das Pferdegehirn. Ber├╝hrungen in diesem Bereich, besonders am Widerrist beruhigen Pferde, sie senken sogar nachweislich die Herzfrequenz.
Pferde sind individuell je nach Rasse (Vollbl├╝ter haben im Allgemeinen eine d├╝nnere Haut und sind ber├╝hrungsempfindlicher als Ponys oder Kaltbl├╝ter) und Pers├Ânlichkeit unterschiedlich zu kraulen. Die meisten Pferde lieben eher kr├Ąftiges Kratzen oder Kneten und nur an bestimmten K├Ârperregionen wie etwa an der Schweifr├╝be sanfte, zarte Ber├╝hrungen. Besonders leicht kann sich der Mensch beim Kraulen am Genussgesicht des Pferdes mit vorgeschobener, verl├Ąngerter Oberlippe, in sich gekehrtem Blick und erhobenem Kopf bzw. dem Beginn des Zur├╝ck-Kraulens orientieren.
Das Zur├╝ckkraulen ist eine freundschaftliche Geste des Pferdes, die auf keinen Fall bestraft werden sollte. Solange es sanft krault kann es je nach eigenem Empfinden einfach zugelassen werden. Sollte es zu kr├Ąftig kraulen, schiebt man einfach den Kopf zur Seite und beendet seinerseits das Kraulen. So lernt das Pferd, dass Menschen nur sanft gekrault werden m├Âgen.

Kraulen oder Leckerli?
Auch hier gilt: Was ein gutes Lob ist bestimmt der Empf├Ąnger, nicht der schenkende. Manche Pferde reagieren sehr gut auf Kraulen, andere k├Ânnen gezielter mit Leckerlis belohnt werden. Leckerlis lieben alle Pferde, ├╝ber die Gabe von kleinen Aufmerksamkeiten k├Ânnen sehr punktgenau Lektionen belohnt werden und Verhaltensweisen trainiert werden. Das Kraulen ist dagegen nicht ganz so punktgenau und direkt einsetzbar und eignet sich daher bei vielen Pferden eher zum allgemeinen Beziehungsaufbau oder f├╝r die Ruhe- und Entspannungsarbeit und weniger zum Erarbeiten gezielter Lektionen.

LG,
Marlitt

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