Probleme mit Pferden?

Depressionen und erlernte Hilflosigkeit

Als Verhaltensexpertin werde ich oft erst dann gerufen wenn das Kind schon lange in den Brunnen gefallen ist. So ist dann eine riesige Herausforderung ein in erlernter Hilflosigkeit oder gar in Depressionen versunkenes Pferd langsam wieder hervorzulocken und wieder zu einem stolzen, aktiv am Geschehen teilnehmenden Individuum zu verhelfen. Viel zu viele Pferde erleben in ihrem Alltag so viel Stress, ung├╝nstige Lebensbedingungen und ├ťberforderung, dass diese Schutzmechanismen ergriffen werden. Die erlernte Hilflosigkeit f├╝hrt dazu, dass ein Pferd welches oft genug gema├čregelt und f├╝r aktives Verhalten gestraft wurde immer passiver wird und letztlich lernt, dass es nichts erreichen kann, egal was es probiert. Dies f├╝hrt zu einer totalen Passivit├Ąt und Handlungsunf├Ąhigkeit und in weiterer Folge zu gro├čem emotionalen Leid und ggf. zu depressiven Verstimmungen. Die Pferdeseele leidet unter dem harten Umgang der vielerorts ganz routinem├Ą├čig betrieben wird.

Zur├╝ck ins Leben
Irgendwann ist bei all diesen Pferden das Feuer, das Leuchten in den Augen g├Ąnzlich erloschen, um ├╝berhaupt wieder einen Funken Lebensfreude zu entfachen wird dann eine Mammutaufgabe. Ich nehme diese Herausforderung immer sehr gerne an, denn es geht darum, solche Pferd Schrittchen f├╝r Schrittchen zur├╝ck ins Leben zu holen. Lebensfreude entsteht durch Freude, durch liebevolle Ber├╝hrungen, viele Belohnungen, Anreize durch Futter und durch g├╝nstige Lebensumst├Ąnde. Die betroffenen Pferde haben mir in den vielen Jahren meiner T├Ątigkeit auch vielfach zum Umdenken und genauerem Hinschauen verholfen. Was bei einem gesunden, normalen Pferd funktioniert, kann bei einem psychisch instabilen oder gar depressiven Pferd v├Âllig ausgeschlossen sein. Da kann es sinnvoll sein, noch viel gro├čz├╝giger mit Belohnungen umzugehen als ohnehin schon. Ich erinnere mich an eine Stute, die bei der Erstkonditionierung auf den Clicker nicht im entferntesten auf den Gedanken kam, das angebotene Target zu ber├╝hren. Viel zu gefangen in der erlernten Hilflosigkeit scheute sie eine von sich selbst ausgehende Bewegung. Hier war es n├Âtig schon die Augenbewegungen, den Blick zum Target zu belohnen, dann ein leichtes Hinwenden des Kopfes oder sp├Ąter eine zaghafte Ber├╝hrung mit den Lippen. Jede leichte Bewegung des Menschen wurde von ihr als Zurechtweisung interpretiert und katapultierte sie sofort zur├╝ck in ihre Starre. Dieses Ereignis ist inzwischen fast 20 Jahre her, es hat mir verdeutlicht, dass es sehr viele Pferde gibt, die Best├Ątigung und Zuspruch einfach f├╝r ihr pures Dasein und jede kleinste Eigeninitiative ben├Âtigen. Nur so kann auch aus diesen Pferden wieder stolze, starke Pers├Ânlichkeiten erwachsen.

LG,
Marlitt

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