Reiten lernen

Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen

Grunds├Ątzlich kann man in jedem Alter reiten lernen, es ist weniger eine Frage des Alters als eine an den eigenen Anspruch, den Flei├č und die Motivation. Sicher wird es umso ├Ąlter der Einsteiger ist desto unwahrscheinlicher, bzw. mit sehr viel Einsatz und Training verbunden, in die sportliche Weltelite vorzudringen, reiten auf Freizeitniveau┬á ist jedoch ein erreichbares Ziel. Kinder haben ein intuitives Lernverm├Âgen, gerade im Bereich des Bewegungslernen ist ihr junger K├Ârper offen f├╝r neue Erfahrungen und Bewegungen. Unbewusst und oft genug unbeschwert saugen Kindern Neues auf. Die allermeisten Erwachsenen gehen dagegen das Thema Reitenlernen eher strategisch und kopfgesteuert an. Sie versuchen sich Informationen und Wissen anzueignen und sehr kontrolliert Bedingungen zum ÔÇ×VorankommenÔÇť zu schaffen. Dabei f├Ąllt es ihnen oft schwer sich fallenzulassen, wirklich im Moment zu leben und dabei tats├Ąchliche essentiell wichtige Erfahrungen zu machen. Dazu geh├Ârt auch Fehler machen zu k├Ânnen, sich selbst und den eigenen┬á K├Ârper kennenlernen zu k├Ânnen und einfach durch Versuch und Irrtum einen eigenen weg zu finden.

Und wenn die Angst mitreitet?

F├╝r mich ist es von gro├čer Bedeutung, als allererstes wirklich wahrzunehmen und sich klarzumachen, dass diese Angst real ist. Sie verschwindet eben nicht von allein, nur weil man irgendwelche angeblich n├╝chtern betrachteten Argumente gegen sie hervorbringen kann. Die Angstreaktion ist eine k├Ârperliche Reaktion, die sich direkt aus dem Gef├╝hl ergibt, sie ist eine physiologische Tatsache, die nicht ÔÇ×ausgeredetÔÇť werden kann, sondern nur ÔÇ×verwandeltÔÇť und ÔÇ×bearbeitet” werden kann. Dazu braucht es Fingerspitzengef├╝hl, oftmals auch einen guten Reitlehrer oder Coach, der es schafft, kleine Zwischenziele auf dem Weg zum tats├Ąchlichen fortgeschrittenen Reiten zu begleiten, die machbar sind ohne zu demotivieren und die den Sch├╝ler wirklich begeistern, so dass die Angst nach und nach kein Zuhause mehr findet sondern von der Freude abgel├Âst wird.

Oft ist auch das ÔÇ×ErinnerungsbildÔÇť das erwachsene Wiedereinsteiger von ihrer Kindheit als Reiter unrealistisch rosarot gef├Ąrbt. Die zeitliche Distanz verzerrt das Bild ungemein und viele schon damals unpassende oder wenig stimmige Details werden komplett ausgeblendet. Zum anderen haben sich viele Lebensumst├Ąnde und Zielsetzungen im Verlaufe der Jahre ge├Ąndert. So bringt aus meiner Sicht ein Abgleich der vergangenen und der aktuellen Lebenssituation Klarheit dar├╝ber, was echte Tr├Ąume sind, was aber auch vielleicht einfach ein abgeschlossenes Kapitel des Lebens ist.

V├Âllig losgel├Âst, ganz mit sich im Moment zu leben ist sicher ein hohes Ziel was f├╝r erwachsene Wiedereinsteiger nur nach und nach erreichbar ist. Vielen Wiedereinsteigern hilft es sich ganz bewusst auf das Erleben der eigenen Sinne zu fokussieren, also wirklich neu zu erleben, wie ein Pferd sich bewegt, wie es riecht, wie es genau aussieht oder sich anf├╝hlt. Wer im besten Sinne ein guter Beobachter und Entdecker ist, der wird seine Welt neu erleben k├Ânnen und dabei wirklich pr├Ągende Lebenserfahrungen sammeln k├Ânnen.

Lernumfeld entscheidend f├╝r den Erfolg

Zentral f├╝r die Wahl der geeigneten Reitschule ist das Wohlergehen der Schulpferde. Nur gesunde, vitale und artgerecht gehaltene Pferde k├Ânnen den Reiter optimal in seinem Lernprozess begleiten. Daneben spielen ein erfahrener und auf die Bed├╝rfnisse des Erwachsenen spezialisierter Reitlehrer und die Wahl eines stimulierenden Lernumfeldes eine entscheidende Rolle.

Pferde sind als hochsoziale Herdentiere hervorragende Beobachter und Meister der subtilen Kommunikation. Wer mit diesen sensiblen Tieren irgend eine Art von engerer Beziehung eingehen m├Âchte und gegenseitiges Vertrauen schaffen m├Âchte, der wird am besten selbst zu einem guten Beobachter und findet zu mehr Bewusstsein f├╝r feinste Details. Schon kleine Ver├Ąnderungen der eigenen K├Ârperhaltung oder K├Ârperspannung f├╝hren zu Verhaltensver├Ąnderungen bei Pferden und im Extremfall zu Stress beim Tier. Daher ist es f├╝r mich essentiell wichtig, die einene K├Ârperwahrnehmung und Ausstrahlung sowie typische eigene Bewegungs-┬á und Handlungsmuster zu erkennen und in Bezug auf das Pferd zu erproben.

Guter Reitunterricht findet f├╝r mich nicht ausschlie├člich auf dem Pferder├╝cken statt, sondern wird begleitet durch Ausgleichsport, Gymnastik├╝bungen und K├Ârperwahrnehmungseinheiten. Diese k├Ânnen aus ganz unterschiedlichen sportlichen bereichen wie schlichter Gymnastik, aber ebenso aus Feldenkrais├╝bungen, Ballettelementen oder aus dem klassischen Tanzbereich stammen.

LG,

Marlitt

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