Pferdeintelligenz

Ăśberlasst das Denken den Pferden…

…Sie haben den größeren Kopf. Diese bekannte Aussage ist zugleich wahr und unwahr und immer eine Frage der Perspektive. NatĂĽrlich können Pferde keine rationalen Entscheidungen treffen und etwa unseren StraĂźenverkehr ĂĽberblicken. Hier wäre es fahrlässig, sich auf ihre Denkfähigkeit zu verlassen. In anderen Gebieten, wie etwa dem Entstehen eines unsichtbaren Bandes der Freundschaft, da können wir uns getrost auf die starken sozialen Fähigkeiten der Pferde verlassen. Intelligenz ist ein vielschichtiges Gebilde, meine Definition wĂĽrde lauten: Intelligenz ist die Fähigkeit des Pferdes Ursache und Wirkung zu unterscheiden und im Rahmen seiner kognitiven Möglichkeiten wiederkehrende Muster zu erkennen. In diesem Sinne ist die Intelligenz eines jeden einzelnen Pferdes ebenso einzigartig wie die eines Menschen. Die individuellen kognitiven Fähigkeiten eines Lebewesen bietet somit einen sehr persönlichen Zugang zu unserer Welt und bestimmen wie AuĂźenreize wahrgenommen und erlebt werden.

Intelligenz messbar?

Wie auch beim Menschen gibt es die Möglichkeit einzelne kognitive Fähigkeiten wie etwa das Gedächtnis, die Lerngeschwindigkeit oder das abstrakte Denken zu testen. Dazu werden Pferde unter kontrollierten Laborbedingungen mit anspruchsvollen Aufgaben konfrontiert. Beispielsweise lernen Sie bestimmte Gegenstände zu unterscheiden, Materialien nach ihren Eigenschaften wie hart und weich einzuteilen oder auch einen bestimmten Knopf in einem Versuchsaufbau zu betätigen. All dies lernen sie in der Regel über den Mechanismus des Belohnungslernens. Je nach Fragestellung können die Forscher aus den Ergebnissen die spezifischen Fähigkeiten der Pferde immer enger eingrenzen und sowohl ihre Stärken wie auch ihre Schwächen eindeutig erfassen. So fand man beispielsweise heraus, dass Pferde ein exzellentes Langzeitgedächtnis haben, ihr Kurzzeitgedächtnis aber vergleichsweise gering ausgeprägt ist. In Bezug auf ihre Gedächtnisleistung etwa sind Pferde sogar Kleinkindern und z.T. auch erwachsenen Menschen (was die Detailfülle anbelangt) überlegen, bezüglich der sehr anspruchsvollen Fähigkeit zum Lernen durch Nachahmung sind sie dem Menschen oder Affen aber weit unterlegen und gleichen eher den Hunden oder anderen sozial in Gruppen lebenden Säugetieren.

Intelligenz von Hauspferden im Vergleich zum Wildpferd

Ganz allgemein ist das Gehirn bei Haustieren in der Regel wesentlich weniger differenziert gestaltet als beim Wildtyp. Da es aber beim Pferd keine „echten“ Wildpferde gibt, sondern die frei lebenden Pferde heutzutage verwilderte Haustiere sind, kann diese Frage so nicht beantwortet werden. Sie alle zeigen unterschiedliche Ausprägungen der Intelligenz aufgrund ihrer Persönlichkeit, der jeweiligen Rasse und auch in Bezug auf ihrem natürlichen Lebensumfeld. Ein Hauspferd wird sich besonders clever in Aufgabenbereichen präsentieren, die sich ihm tagtäglich stellen (wie etwa bei der Kommunikation mit dem Menschen), während ein wildlebendes Pferd dort besonders glänzt, wo es mit seiner Umwelt interagiert (etwa beim Auffinden von entfernt liegenden Wasserstellen). Es gilt immer der Grundsatz, dass ein Pferd seine Intelligenz immer in den Aufgabenbereichen stärkt, wo das Pferdegehirn am meisten beansprucht und gefordert wird.

Beeindruckende Pferdeintelligenz

Mich beeindrucken sehr viele Aspekte der pferdischen Intelligenz – vor allem ihren ausgeprägten Sinn für feine Details in der Wahrnehmung. Ich kannte ein Pferd, welches seine gelernten Lektionen wie etwa den Spanischen Schritt nicht erst an dem vom Menschen gedachten Kommando, dem Handzeichen oder Gertenzeichen erkannt hat, sondern einzig am Augenaufschlag und der Blickrichtung.

Reiter können die Intelligenz des Pferdes fördern indem sie viel loben, mit Belohnungen arbeiten und Raum schaffen in dem das Pferd sich kreativ entfalten kann. Pferde lernen auch im Spiel, sie erkunden und entdecken gerne neue Verhaltensweisen und orientieren sich dabei an anderen Pferden. So macht es eben auch Sinn, gemeinsam mit dem Pferd spielerisch die Welt zu entdecken und es schon für kleinste Fortschritte zu loben.

Aus Sicht des Pferdes ist es dabei unbedingt sinnvoll mitzudenken. Nur so kann es seine Persönlichkeit entfalten und innerlich wachsen. Für mich hat die Beziehung zu einem Pferd nichts mit dem Ausführen von irgendwelchen Kommandos zu tun, ich möchte, dass ein Pferd lernt sich selbst zu entdecken, seine Umwelt besser zu verstehen und mit auftretenden Problemen zurecht zu kommen. Ein reiner Befehlsempfänger sollte niemals das Ziel einer partnerschaftlichen Beziehung zu einem Pferd sein.

LG,

Marlitt

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