Anfängerpferd trifft auf Anfängermensch

Warum Clickertraining so oft nicht den gewünschten Effekt hat

Bücher und Websites versprechen Gigantisches, wenn es um das Thema Clickertraining geht. Da wird -  wie auch auf meiner Homepage - dargestellt, was alles mit positiver Verstärkung beim Pferd erreicht werden kann. Die Palette reicht von Medical Training über diverse Zirkuslektionen und Tricks bis hin zum Reiten mit dem Clicker in Vollendung. Und das Ganze nur mit ein paar Leckerlis und etwas gesundem Menschenverstand und einigen wenigen Vorübungen. Wie gemacht, um einen schnellen Einstieg zu wagen. Die Ernüchterung folgt oft auf dem Fuße. Viele, viele Lektionen werden begonnen aber dann doch wieder abgebrochen, weil der gewählte Trainingsweg nicht zum gewünschten Ziel führte. In vielen Fällen werden die Pferde „plötzlich“ hampelig und zappelig, sie sind gestresst vom Futter und durch unklare Trainingskriterien. In vielen anderen Fällen funktionieren nach Beginn des Trainings mit positiver Verstärkung auch die eigentlich schon beherrschten Signale und Lektionen nicht mehr, weil der Mensch seine Trainingsstrategie geändert hat, die neue Art zu trainieren aber eben auch noch nicht sinnvoll anwendet

Die Tücke im Detail
Clickertraining klingt sehr einfach. Alles was man braucht scheint zunächst das konditionierte Markersignal zu sein, der Click, der ein korrektes Verhalten markiert und eine Belohnung ankündigt und natürlich das richtige Timing und angepasste Belohnungsfutter. Was viele aber vergessen ist die Tatsache, dass es sich bei der Methode des Clickertrainings um eine höchst komplexe und vielschichtige Trainingsform handelt, bei der vieles bedacht werden muss und die beide Seiten – Pferd und Mensch - erst lernen müssen. Sonst kann es leicht zu unerwünschten Verhaltensketten kommen, bei denen ein Verhalten was eigentlich „wegtrainiert“ werden sollte, im Endeffekt sogar noch häufiger auftritt als zuvor. Oder dass die Aufregung im Training durch unbedachte Futtergabe zu hoch gestressten Pferden führt.

Fehler summieren sich
Besonders oft kommen diese Probleme naturgemäß bei „Anfängerteams“ vor. Ein im Clickertraining unerfahrenes Pferd trifft auf einen ebenso unerfahrenen Menschen, der sich darüber hinaus meist nur über das Lesen von einigen Texten im Internet ohne direkte Hilfe eines Profis an den Einstieg ins Training wagt. So potenzieren sich kleine Ungenauigkeiten und Fehlerchen schnell zu einem schlecht kontrollierbaren Chaos. Die Folge sind Pferde, die entweder fahrig alles abspulen was ihnen irgendwann einmal einen Keks eingebracht hat oder aber solche die auf überhaupt keine Signale mehr eindeutig reagieren und frustrierte, überforderte Menschen. Daher plädiere ich dafür sich zuerst gründlich zu informieren und wenn möglich mit einem erfahrenen Tier unter Anleitung zu üben bevor man mit dem eignen Einsteigerpferd weitermacht. Die besten Fehler sind die, die man gar nicht erst macht, sondern die sich durch gezieltes Management und gute Planung ausschließen.

LG,
Marlitt

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