Entwicklung der Pferdepers├Ânlichkeit

Charaktermerkmale und Temperament

Vereinfacht gesagt geh├Ârt zur Pferdepers├Ânlichkeit all das was den einzigartigen Charakter des Individuums ausmacht, was sein Temperament bestimmt und damit Einfluss auf sein Verhalten nimmt. Viele unterschiedliche Pers├Ânlichkeitsmerkmale k├Ânnen zur Beschreibung der Pferdepers├Ânlichkeit herangezogen werden. Alle ├╝ber einen l├Ąngeren Zeitraum anhaltende Verhaltenstendenzen und Eigenschaften des Pferdes flie├čen in seine Pers├Ânlichkeitsstruktur mit ein. Dazu geh├Âren Fragen nach der generellen Intro- oder Exraversion ebenso wie Fragen nach Bindungsf├Ąhigkeit, Stressresistenz oder Intelligenz.

Ebenso wie wir Menschen von der Natur f├╝r bestimmte Handlungsmuster und Denkweisen vorgesehen sind, ist auch das Pferd Produkt seiner Evolution als Pferd. Es wird immer auch von den ganz urspr├╝nglichen Reaktionsmustern beeinflusst bleiben, welche die Tierart Pferd erst so erfolgreich im biologischen Sinne gemacht hat. Hinzu kommt nat├╝rlich auch die durch die Zuchtauswahl des Menschen verschobenen Kriterien. Bestimmte Eigenschaften wurden bei bestimmten Rassen bevorzugt und damit weiter gez├╝chtet. So unterscheiden sich typische Vertreter einzelner Rassen durchaus von Vertretern anderer Rassen. Bei englischen Vollbl├╝tern ist etwa eine gewisse Reaktivit├Ąt durchaus erkl├Ąrtes Zuchtziel, w├Ąhrend dieses beim belgischen Kaltblut eher weniger gefragt war.

Charaktereigenschaften
Auch das Geschlecht pr├Ągt mit seinen beteiligten Hormon-Cocktails entscheidend das Verhalten und den Charakter eines Pferdes. So ist etwa die Art und Weise wie die Fohlen betreut werden bei beiden Geschlechtern komplett unterschiedlich ausgepr├Ągt.

Heute weiss man au├čerdem, dass Charaktereigenschaften durchaus vererbbar sind. Man kann in wenigen Generationen besonders ├Ąngstliche Tiere ebenso z├╝chten wie etwa auff├Ąllig aggressive. Nur durch diese M├Âglichkeit waren unsere Vorfahren ├╝berhaupt in der Lage so viele unterschiedliche Rassen zu so unterschiedlichen Einsatzzwecken zu z├╝chten.

Ein Gro├čteil der Hirnentwicklung findet bereits im Mutterleib statt. Fohlen erleben im Mutterleib mit, ob die Mutterstute etwa permanentem Stress ausgesetzt ist oder aber sich besonders wohlf├╝hlt. Schon direkt nach der Geburt k├Ânnen erste Unterschiede in der Pers├Ânlichkeit festgestellt werden. Einige Fohlen sind sehr mutig und aktiv, w├Ąhrend andere eher zur├╝ckhaltend und passiv bleiben. Diese Grundeigenschaften der jeweiligen Pferdepers├Ânlichkeit sind aber eher Tendenzen, sie sind nicht komplett unab├Ąnderlich, sondern sie entwickeln sich vor allem in der fr├╝hesten Jugend anhand der Lebenserfahrungen, Stimmungen und der sozialen Kontakte.

Auch beim Pferd ist die Fohlen- und Jungpferdezeit entscheidend f├╝r die positive Pers├Ânlichkeitsentwicklung. Hier ist das junge Pferd besonders offen was neue Erfahrungen angeht, es lernt nebenbei vieles durch Beobachtung und f├╝gt sich so auch in seine Rolle als Herdenmitglied ein. Auch beim Pferd ist das Thema Urvertrauen meiner Meinung nach sehr wichtig. Um gesund gro├č zu werden braucht ein Fohlen unersch├╝tterliches Vertrauen in seine Mutter,in die anderen Herdenmitglieder, in sich selbst und zu den Menschen, es muss sp├╝ren, dass es geliebt wird.

Wesensz├╝ge erkennen
Am allermeisten R├╝ckschl├╝sse auf den Charakter ziehe ich pers├Ânlich zum einen aus dem Verhalten in der Herde. Wie geht das Pferd mit anderen Pferden um? Hat es viele Freundschaften? Krault es h├Ąufig andere Pferde? Wirkt es schnell gestresst in Gegenwart von anderen? Zum anderen lerne ich in f├╝r das Tier ungewohnten Situationen viel ├╝ber den Charakter der Tiere. Ist es eher ├Ąngstlich oder neugierig? Verspielt oder passiv? Besonders Stress, Schmerzen oder andere negative Erfahrungen beeinflussen die Entwicklung der Pers├Ânlichkeit. Sie hemmen urspr├╝nglich vorhandene Neugier, l├Ąhmen die Krativit├Ąt und im Extremfall auch die Lebensfreude. Pferde entwickeln sich in einer m├Âglichst naturnahen Umgebung am g├╝nstigsten. Sie sind daf├╝r geschaffen sich frei zu bewegen, mit anderen Pferden zu interagieren und vielf├Ąltige Umweltreize zu erleben. So wird tendenziell die Pers├Ânlichkeit eines Pferdes in Herdenhaltung sich vielschichtiger entwickeln k├Ânnen als die eines mit nur wenigen Sozialkontakten oder gar die eines nicht artgerechter Weise einzeln gehaltenes. Das Beziehungsgeflecht der Pferdeherde wird von sehr vielen unterschiedlichen Faktoren bestimmt. Dazu geh├Âren unter anderem die Zusammenstellung der Gruppe, die Fluktuation, die Zeit, die die Tiere bereits gemeinsam verbringen durften und auch Wesensmerkmale wie Kontaktfreude oder die Position der Mutter oder befreundeter Tiere innerhalb der Herde. Pferde lernen ihr Leben lang ÔÇô positives wie negatives. So kann es sich weiterentwickeln und immer gl├╝cklicher werden, aber genauso durch negative Umst├Ąnde in depressive Zust├Ąnde gedr├Ąngt werden.

LG,
Marlitt

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