Die “wahre” Pers├Ânlichkeit des Pferdes

Pferde als echte Personen akzeptieren

In der Psychologie gibt es den Begriff der Persona, er beschreibt die Pers├Ânlichkeit als eine Maske, eine Rolle in die wir je nach sozialen Kontext hineinschl├╝pfen. Diese Persona befindet sich jedoch im Spannungsfeld zwischen dem eigenen Selbstbild und der sozialen Anpassung an die Au├čenwelt. Auf unser Pferd bezogen stellen sich da sofort folgende interessante Fragen: Welches Selbstbild besitzt das Pferd von sich und wie k├Ânnen wir einen Blick darauf erhaschen? Wir kennen dieses Ph├Ąnomen auch von unserer eigenen Wahrnehmung, wenn unser Selbstbild offensichtlich f├╝r Andere unsichtbar erscheint und sie uns ganz anders sehen als wir uns selber. Auch unser Pferd ist automatisch dieser sozialen Anpassung unterworfen, wenn der Mensch die Weide betritt und dem geliebten Tier eine bestimmte Rolle oder Funktion zuschreibt. Jeder von uns tr├Ągt f├╝r sein Pferd solche Pers├Ânlichkeitsbilder in sich, man sieht es als leistungsbereiten Trainingspartner, als verst├Ąndnisvollen Vertrauten, als nervenstarken Buddy auf Ausritten, als starkes Alphatier innerhalb der Herde oder als ├Ąngstliches H├Ąschen wenn der Tierarzt kommt. Aber das sind alles Fremdzuschreibungen f├╝r die sozialen Erscheinungsformen die das Pferd in unseren Augen annimmt. Auch wir schl├╝pfen in unserem Alltag st├Ąndig in soziale Rollen, wenn wir uns unter Freunden, beim Arzt, auf der Arbeit oder vielleicht im Auto befinden. Auch unser Pferd hat gelernt wie es sich angemessen in bestimmten Situationen darzustellen hat, das Spektrum reicht da von der allerliebsten Zuckerschnute beim gemeinsamen Kraulen bis hin zum ungehobelten Punk, wenn man nur mal mit ein bisschen warmen Wasser den Schweif waschen m├Âchte. Der ├Ąu├čere Rahmen bedingt immer das gezeigte Verhaltensmuster und damit welches Bild wir von unserem Pferd wahrnehmen. Wir geben als Menschen st├Ąndig diese Rahmenbedingungen f├╝r unsere Tiere vor und bekommen so immer wieder die Persona vorgef├╝hrt, die wir als soziale Anpassung an unsere Erwartungshaltung etabliert haben.

Das verborgene Ich erahnen
Aber welches Selbstbild besitzt das Pferd in diesen Situationen und wie f├╝hlt es sich, wenn es diesen Widerspruch zwischen dem inneren Ich und dem ├Ąu├čeren Anschein bemerkt? Allzu oft werden Pferde von ihren Besitzern in unliebsame Situationen gedr├Ąngt, in denen dem Tier auch nichts anderes ├╝brig bleibt als “tapfer” auf dem H├Ąnger auszuharren oder “folgsam” dem Schmerzreiz nach vorne auszuweichen. Das bedeutet aber nicht das diese Pferde mit diesem Umgang oder mit ihrer Rolle gl├╝cklich sind. Das Selbstbild unseres Pferdes, das “wahre” Ich ist wie bei uns Menschen eigentlich nicht fassbar und mehr ein immerw├Ąhrender Prozess als ein gefestigtes Abbild. Dieses Ich erlebt sich selber manchmal mutig, sch├Ân, wissend oder traurig, aber niemand in der Au├čenwelt bemerkt dies. Wir d├╝rfen aber unseren Pferden dieses vielschichtige Seelenleben zuerkennen, das Geheimnis ihrer Person, welches unabh├Ąngig von dem ├Ąu├čeren Anschein in ihnen existiert.

LG,
Marlitt

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