Zirkuslektionen – Ausbildung nebenbei?

Wer träumt nicht davon, seinem Pferd den Spanischen Schritt oder das Kompliment beizubringen?

Die eleganten Bewegungen, das gegenseitige Vertrauen, die Abwechslung in der alltäglichen Arbeit, all das verspricht die zirzensische Ausbildung.
Bei all den schönen Vorstellungen wird häufig übersehen, dass die zirzensische Ausbildung ebensoviel Zeit und Aufmerksamkeit benötigt wie jede andere Form der Pferdeausbildung auch. Zirkuslektionen sind sowohl körperlich als auch geistig für das Pferd (und für den Menschen!) ebenso anspruchsvoll wie die Ausbildung zum Reit- oder Fahrpferd. Es gibt ebenso Grundvoraussetzungen, erste Übungen und darauf aufbauende Elemente.
Während allerdings kaum ein Pferdefreund auf den Gedanken kommt, ohne Vorkenntnisse und ohne professionelle Hilfe sein Pferd an einem Wochenende reiterlich ausbilden zu wollen, wird der Aufwand der zirzensischen Ausbildung häufig total unterschätzt. Auch diese Ausbildungsform macht nur Sinn, wenn bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sind und mit Weitsicht und nach einem Konzept gearbeitet wird.

Zunächst einmal sollte man unterscheiden zwischen den klassischen Zirkuslektionen, die i.d.R. auch körperlich sehr anspruchsvoll sind, wenn sie gymnastizierend sinnvoll sein sollen, der Podestarbeit, Manegenarbeit oder Freiheitsdressur und den Tricks, die für jedes Niveau Herausforderungen bieten.

Zu den klassischen Zirkuslektionen im engeren Sinne zählen u.a.:

  • Kompliment
  • Verbeugung – Plié
  • Knien
  • Liegen
  • Flachliegen
  • Sitzen
  • Bergziege
  • Spanischer Schritt
  • Spanischer Trab
  • Steigen

All diese Lektionen erfordern genaue anatomische Kenntnisse des Trainers, damit sie gesundheitsfördernd für das Pferd ausgeführt werden können. Hinzu kommt, dass der Trainer sich mit den Hintergründen des Belohnungslernen eingehend beschäftigt haben sollte, um ein sinnvolles Konzept mit kleinen Schritten für das jeweilige Pferd erarbeiten zu können. Dazu gehört auch, sich selbst im Vorfeld die eigenen Ziele und die dazugehörigen Stimm- und Berührungshilfen genau zu überlegen und diese auch selbst zu verinnerlichen, um das Pferd nicht zu verwirren.

Körperliche Belastbarkeit - ein Muss

Die Pferde sollten körperlich fit und belastbar sein. Gerade Hufrollen- und sonstige Gelenks- , Rücken- oder Beinprobleme verhindern eine freudige Mitarbeit. Auch vom Alter her sollte das Pferd belastbar genug sein.
Die Anforderungen an die Pferde dürfen nur extrem langsam gesteigert werden, damit sich der Körper an die ungewohnten Belastungen gewöhnt. Ebenso wenig wie es sinnvoll wäre, einem untrainierten Menschen an einem Wochenende einen Spagat anzutrainieren, wäre es nicht sinnvoll, das Pferd in eine tiefe Verbeugung zu schicken. Verspannungen und Zerrungen können die Folge sein.

Grunderziehung unabdingbar

Die grundlegenden Vorübungen müssen sitzen und das Pferd sollte bereits eine Grunderziehung genossen haben. Es sollte zumindest im Schritt und Trab von beiden Seiten zu führen sein, möglichst auch in vorgegebenen Abstand, auf Kommando anhalten, parken und rückwärts gehen können, manierlich Leckerlies nehmen und ein Belohnungskonzept (wie z.B. das Clickertraining) verinnerlicht haben, generell keine Angst vor dem Menschen und vor Hilfsmitteln wie der Gerte, Tüchern oder anderen Gegenständen haben.

Geduld gefragt

Auch wenn alle diese Voraussetzungen gründlich erarbeitet worden sind, dauert eine zirzensische Ausbildung Monate oder gar Jahre, je nachdem wie oft und professionell man übt und wie talentiert das Pferd ist. Will man neben der Reitausbildung an der zirzensischen Ausbildung arbeiten, braucht man sehr viel Zeit und Sachverstand, man muss dranbleiben und in das Lernverhalten des Pferdes eintauchen, den natürlichen Bewegungsablauf kennen lernen und ein Gefühl für „den richtigen Moment“ entwickeln.

Viele Lektionen bleiben ein gewisses Risiko für den Besitzer. Gerade wenn Kinder beteiligt sind, sollte genau abgewogen werden, ob es wirklich sinnvoll ist, einem Freizeitpferd das Steigen beizubringen. Hier sollten kritisch die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten hinterfragt werden und im Zweifel lieber ungefährlichere Übungen erlernt werden.

Nicht jedes Pferd eignet sich für alle Lektionen, daher müssen individuelle Talente entdeckt und gefördert werden, damit so wohl das Pferd als auch der Mensch den Spaß an der Sache behalten. Falscher Ehrgeiz ist hier fehl am Platz.

Dennoch kann die Arbeit an den Zirkuslektionen sehr erfüllend für Mensch und Tier sein. Das Vertrauen wird enorm gesteigert, die Kommunikation verfeinert, das Pferd zu einem willigen Partner, der sich auf die Zusammenarbeit mit seinem Menschen freut.

Probieren Sie es aus und kombinieren leichte und schwierigere Lektionen, entdecken Sie die Talente Ihres Pferdes und haben Sie einfach Spaß.

8 Kommentar(e)

  1. hehe, super Artikel!

    Nach meinen Auftritten werden ich oft gefragt: Wie bring ich meinem Pferd das hinlegen bei? Und wie lange dauert das??

    Mit der Antwort sind sie meist unzufrieden da sich oftmals herausstellt, dass sich ihr Pferd noch nichtmal traut sich zum Wälzen am Strick niederzulegen oder wenn sein Mensch nur in der Nähe steht… Ich antworte dann dass man erstmal das Vertrauen fördern muss und dass das allein schon ein paar Wochen dauert und dazu ein Belohnungssystem erlernt werden muss. (von beiden) All dies kann nunmal nicht mal eben so in ein paar Stunden erlernt werden. Danach verlieren viele dann doch schnell die Lust und das Interesse daran ihren Pferden sowas beizubringen.

    Antje | Okt 17, 2009 | antworten

  2. Schade, aber hoffentlich werden es immer mehr Menschen, die Lust haben, sich auf einer anderen Ebene mit dem Pferd zu beschäftigen.
    Marlitt

    Marlitt | Okt 23, 2009 | antworten

  3. hey

    ich bin schon länger auf der suche nach Artikeln wie deinem , die sich mit der Ausbildung von Pferden befassen , da ich so etwas mit meinem pferd auch ausprobieren will . Die Grundzüge beherscht er schon und daher suche ich nach neuen Herrausvorderungen . Ich habe das Gefühl er langweilt sich bei der normalen Arbeit, desshalb suche ich was neues.

    Christin Telahr | Nov 21, 2009 | antworten

  4. Hallo Christin,
    das ist bestimmt eine tolle Abwechslung. Häufig eröffnet sich mit der Suche nach Alternativen auch eine völlig neue Welt.
    LG,
    Marlitt

    Marlitt | Nov 24, 2009 | antworten

  5. ich habe eine reitbeteiligung auf einem shetty er ist 3 jahre alt und ich würde ihm gerne ein paar zirkuslektionen was ist die einfachste lektion und wie bringe ich ihm sowas bei ein tipp ich bin erst 10 nicht dass ihr denkt ich zerquetsche den kleinen!!!!!!!!!!!!!!!

    belana | Feb 8, 2010 | antworten

  6. Hi Belana,
    das ist ja klasse, dass Du eine Reitbeteiligung an einem Shetty hast und dich auch für Zirkuslektionen interessierst.

    Mit 3 Jahren ist Dein Shetty allerdings noch sehr jung und sollte nicht überfordert werden. Die meisten Übungen wie Kompliment oder Verbeugung sind noch zu früh, so weit ist er vermutlich noch nicht. Er ist ja noch nicht ausgewachsen. Einfache Übungen wären Ball spielen oder Teppich ausrollen.

    Allerdings solltest Du Dich mit der Besitzerin zusammentun und gemeinsam entscheiden, was ihr ihm beibringen könnt. Genauso leicht wie die Ponys Zirkuslektionen lernen, lernen sie leider auch allerlei Unsinn, der dann schnell gefährlich werden kann. gerade auch das Betteln oder Schnappen kann leicht passieren, wenn man die Zirkuslektionen zum ersten Mal macht. Daher wäre es am sinnvoilsten bei einem Kurs die Handgriffe zu erlernen.

    Herzliche Grüße,
    Marlitt

    Marlitt | Feb 12, 2010 | antworten

  7. Hallo =)
    ich habe eine 26 Jahre alte Traberstute und würde ihr gerne den spanischen Gruß beibringen…aber ich weiß einfach nicht wie =(
    Ich habe ihr schon das Flehmen beigebracht und das macht ihr alles sehr viel Spaß und sie hat auch Freude am Lernen, aber ich weiß wie schon gesagt nicht, wie ich ihr den spanischen Gruß beibringen soll. Vielleicht kann mir ja jemand von hier helfen!! :)

    LG Selina

    Selina Jost | Apr 7, 2010 | antworten

  8. Hallo Selina,

    in Kurzfassung würde ich zunächst das jedes leichte Anheben des Vorderbeins auf Kommando belohnen und dann nach und nach nur noch belohnen, wenn das Bein höher und gerader gestreckt gehoben wird.

    Ein ausführlicherer Beitrag zum spanischen Gruß folgt hoffentlich bald;)
    LG,
    Marlitt

    Marlitt | Apr 21, 2010 | antworten

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